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Der Wettlauf zum Südpol

31.01.2017

Der Antarktische Eisschild ist eine der beiden polaren Eiskappen. Er ist die grösste Eismasse der Erde und bedeckt den antarktischen Kontinent fast vollständig. Die Fläche des Eisschildes wird auf 14 Millionen Quadratkilometer und das Eisvolumen auf 26 Millionen Kubikkilometer geschätzt. Für die durchschnittliche Eisdicke wird ein Wert von 2 km angenommen, die maximale Eisdicke wurde mit 4776 Metern in Adélieland gemessen.

Die Antarktis  Grössenvergleich: Europe überlagert Antarktis

v.l.n.r.: Die Antarktis; Grössenvergleich Europa -Antarktis

Schlittenhunde gegen Motorschlitten

Die Forscher Roald Amundsen und Robert Falcon Scott brachen fast gleichzeitig auf, um sich auf den Weg in Richtung Südpol zu machen. Warum war Amundsen schneller am Ziel? Amundsen lebte lange Zeit bei den Inuit, den Ureinwohnern der Arktis, und lernte die wichtigsten Dinge, die man in dieser Landschaft zum Überleben benötigt. Auf Grund dieser Erfahrung nahm er Schlittenhunde, die seine Schlitten, die Ausrüstung und den Proviant zogen; eine gute Idee, wie sich herausstellen sollte.
Robert Scott dachte, dass der norwegische Forscher sich auf dem Weg zum Nordpol befand. Der hatte aber mittlerweile seine Pläne geändert. Obwohl Scott schon Erfahrungen in der Antarktis gesammelt hatte, setzte er auf eine Art Motorschlitten. Sie hielten der Kälte der Antarktis jedoch nicht stand. Auch die mitgeführten Ponys waren dem Eis und Schnee nicht gewachsen.

Amudens Antarktik Expedition 1911 Kapitän Scott

v.l.n.r.: 1911 – Amundsens Antarktik Expedition mit Schlittenhunden; Kapitän Scott der einen Monat später das Ziel erreicht hatte.

Die Befürchtungen Scotts bewahrheiteten sich. Als er am 18. Januar 1912 die norwegische Flagge am Südpol wehen sah, konnte er sich nicht freuen es ebenfalls geschafft zu haben; er war „nur“ zweiter. Am 14. Dezember 1911 nämlich hatte der Norweger Roald Amundsen als erster Mensch den Südpol erreicht.

Die Expeditionsrouten von Amundsen und Scott

Auf dem entbehrungsreichen Gewaltmarsch durch die Eiswüste der Antarktis hatten Amundsen und seine Mannschaft schier Übermenschliches geleistet: 1500 Kilometer in 56 Tagen bei orkanartigen Schneestürmen und eisigen Temperaturen.

Scott und dem kleinen Rest seiner Mannschaft machte der Rückweg schwer zu schaffen. 1300 Kilometer Weg lagen vor ihnen; keiner sollte diesen Marsch überleben.

>> Der Wettlauf zum Südpol


Neues Themenheft: Entsorgungsprogramm – daran arbeiten wir

26.01.2017

Was wurde erreicht? Welche Schritte stehen bevor? Wozu braucht es Tiefenlager? Lesen Sie mehr dazu im neuen Themenheft. Erfahren Sie zudem von Irina Gaus, der Gesamtprojektleiterin Forschung & Entwicklung, welche Aspekte sich die Nagra noch näher anschaut.

Die radioaktiven Abfälle werden für lange Zeit sicher im Opalinuston eingeschlossen. Dies erfolgt in einem geologischen Tiefenlager, das verschiedene Anforderungen gut erfüllen muss. In den meisten Fällen können die Anforderungen erfüllt werden, doch es gibt Aspekte, sogenannte Ungewissheiten, die die Nagra noch näher anschaut. Dazu haben wir Irina Gaus befragt.

Irina Gaus: «In meinem Arbeitsalltag kommt bestimmt keine Langeweile auf. Unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten decken zahlreiche interessante Wissenschaftsbereiche ab.»
Irina Gaus: «In meinem Arbeitsalltag kommt bestimmt keine Langeweile auf. Unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten decken zahlreiche interessante Wissenschaftsbereiche ab.»

Gibt es verschiedene Arten von Ungewissheiten?

Wir unterscheiden drei Arten von möglichen Ungewissheiten: Erstens solche, die wir umgehen oder vermeiden können. Zweitens solche, die sich nicht vermeiden lassen, deren Auswirkungen wir aber mit zusätzlicher Entwicklungs- und Ingenieursarbeit in den Griff bekommen. Drittens solche, die wir weder vollständig vermeiden noch ihre Auswirkungen vollständig abschwächen können.

Das Endlagermodell im Felslabor Mont Terri zeigt, wie die Behälter mit hochaktiven Abfällen dereinst in Stollen am Tiefenlagerstandort eingelagert werden sollen.
Das Endlagermodell im Felslabor Mont Terri zeigt, wie die Behälter mit hochaktiven Abfällen dereinst in Stollen am Tiefenlagerstandort eingelagert werden sollen.

Hast Du Beispiele für solche Ungewissheiten?

Durch eine vorausschauende Wahl des Standortes für ein Tiefenlager können wir Ungewissheiten erster Art aus dem Weg gehen. Die Alpen als aktives Gebirge mit hohen Hebungsraten eignen sich nicht für ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle wie verbrauchte Brennelemente. Eine potentielle Ungewissheit zweiter Art ist die Wärme, die Endlagerbehälter mit den hochaktiven Abfällen abgeben. Durch ausreichend Abstand zwischen den Endlagerbehältern kann der Opalinuston aber die Wärme ohne Beeinträchtigung der Einschlussfähigkeit aufnehmen.

Die Nagra optimiert ihr Entsorgungskonzept auch durch Forschung in Felslabors.
Die Nagra optimiert ihr Entsorgungskonzept auch durch Forschung in Felslabors.

Was ist, wenn ihr Ungewissheiten nicht vollständig abschwächen könnt?

Wir müssen nachweisen, dass das Tiefenlager sicher ist und führen dazu auch Berechnungen durch. Verbleibende Ungewissheiten und deren mögliche Auswirkungen decken wir mit pessimistischen Annahmen unter Einbezug grosser Sicherheitsreserven ab. Wir haben zudem noch genügend Zeit, um Auswirkungen detailliert zu untersuchen, zusätzliche Experimente und Modellrechnungen durchzuführen und so Ungewissheiten weiter zu reduzieren. Was wir genau tun, ist in unserem neuen Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramm (RD&D-Plan; auf Englisch) dokumentiert.

Portrait: Maria Schmid, übrige Bilder: © Comet Photoshopping, Dieter Enz


Zum «Entsorgungsprogramm 2016 der Entsorgungspflichtigen» (NTB 16-01): Die Nagra hat 2016 im Auftrag der Abfallverursacher das Entsorgungsprogramm 2016 erstellt. Dieses zeigt die Arbeitsschritte auf, die für die Entsorgung aller radioaktiven Abfälle der Schweiz notwendig sind. Es wurde den Bundesbehörden vorgelegt und muss alle fünf Jahre aktualisiert werden.


Das Gegensternbild „Ant-arktos“

24.01.2017

Griechische Astronomen stellten fest, dass hoch über dem letzten Norden ein Sternbild schimmerte: Das Sternbild des Bären, griechisch arktos. Das Land im hohen Norden unter dem Sternbild des Bären wurde deshalb Arktis genannt. Nach griechischer Auffassung musste auf der südlichen Halbkugel aus Gründen der Symmetrie ein Gegensternbild flimmern, ein Ant-arktosebenfalls über Eis und Schnee.

Antarktis_lizenzfrei
Antarktis

Seit der Zeit des Aristoteles haben die Menschen eine vage Vorstellung von der Antarktis. Sie ist eine mächtige, sagenhafte Phantasiewelt, unnahbar und geheimnisvoll und regte die Einbildungskraft der Menschen übermässig an.

Auf den ältesten Landkarten der südlichen Hemisphäre, die von Orontius und Mercator im 16. Jahrhundert angefertigt wurden, wird das Vorhandensein eines grossen Südkontinents – Terra Australis Incognita – postuliert, wenn auch eine solche Landmasse nie gesichtet worden war. Tatsächlich war der südliche Ozean bis zum Jahr 1700 von keinem Schiff befahren worden. James Cook’s Entdeckungsfahrten im achtzehnten Jahrhundert, die ersten, bei welchen der südliche Polarkreis überquert wurde, beendeten für immer den Traum von einem reichen südlichen Gebiet mit gemässigtem Klima, das von mythologischen Geschöpfen und Völkern bewohnt wird. Seine Berichte über die reiche Fauna im südlichen Eismeer führte zur Entwicklung der Robben- und Walfangindustrie und dadurch zu den darauffolgenden Erkenntnissen über die Verletzlichkeit der Umwelt unseres Planeten, durch die die Wissenschaft im zwanzigsten Jahrhundert so viel lernte.

Wie enstand die Antarktis?

Die Antarktis war nicht immer ein vereister Kontinent – vor 70 Millionen Jahren war das Klima wahrscheinlich subtropisch, das Land von Wäldern bedeckt und von Tieren bevölkert. Heute wird angenommen, dass Antarktika den Kern des Superkontinenten Gondwana bildete, der Südamerika, Australasia, Ozeanien und Indien einschloss.

Das Auseinanderbrechen von Gondwana:

Vor 280 Millionen Jahren: Die Antarktis war Teil von Gondwanaland. Der Superkontinent begann nach Norden zu wandern.
Vor 140 Millionen Jahren:  Von Gondwanaland trennten sich Südamerika und Afrika und der Südatlantik begann sich zu öffnen.
Vor 60 Millionen Jahre: Nun beginnen sich Australien und Antarktika langsam zu trennen.

Ein unerwartetes Resultat lieferte die jüngste Reise des Forschungsschiffes Glomar Challenger, mit der die Verbindung der Antarktis zu Südamerika, die Wanderung des Kontinents und die Frühentwicklung des Südatlantiks erforscht werden sollte. Am Rande der Antarktis fand man ein Bruchstück eines versunkenen Kontinents, das vor 150 Millionen Jahren zur heutigen Südostküste Südafrikas hinpasste. Damit fand man das „Stück“ der noch bestehenden Lücke in der Rekonstruktion des Superkontinents.

 


Historisches und Skurriles zur Radioaktivität (Teil 1)

19.01.2017

Zahnpasta, Unterwäsche, Schüsseln, Kacheln und Gesichtscrème – was hat das alles mit Radioaktivität zu tun? Lesen Sie mehr dazu im Blogbeitrag.

Antoine Henri Becquerel entdeckte 1896 die Radioaktivität. Er stellte fest, dass eine Fotoplatte durch Uransalz belichtet wurde, das er neben der Platte gelagert hatte. Radioaktive Stoffe wie Uransalz senden ionisierende Strahlung aus. Die folgenden Beispiele zeigen, dass ionisierende Strahlung nach ihrer Entdeckung auch für verschiedene Anwendungen im Haushalt verwendet wurde.

Doramad, die radioaktive Zahncreme

Unter dem Produktnamen «Doramad» stellte die Auergesellschaft A.-G. in Berlin eine Zahnpasta her. Doramad versprach nicht nur, dass die Zähne blendend weiss und die gesamte Mundhöhle erfrischt wird. Die Anzeige versicherte auch, dass die Strahlen das Zahnfleisch massieren – eine Eigenschaft, die heute eher den Zahnbürsten zugesprochen wird.

Doramad die radioaktive Zahncreme
Quelle: Auergesellschaft AG

Radioaktive Unterwäsche für alle

Früher erhoffte man sich durch die Anwendung der Radioaktivität zum Teil Hilfe und Schutz gegen unterschiedlichste Leiden wie zum Beispiel Arthritis oder Bluthochdruck. Radioaktive Wolle sollte ausserdem eine gesunde und sanfte Wärme verbreiten. Ein Beispiel dafür ist die Unterwäsche «Iradia». Solche Kleidung wurde nicht nur für Erwachsene gefertigt, sondern auch für Kleinkinder.

Iradia
Radioaktive Unterwäsche von Doktor Bauray. (Bild: www.paratonnerres-radioactifs.fr)

Auf dem Küchentisch

Uranverbindungen wurden zum Färben und Glasieren verschiedener Haushaltsgegenstände eingesetzt. Dies reichte von Glasschüsseln oder Kelchen bis hin zu Glasuren für Keramiken wie Teekannen oder Kacheln. Uranoxid färbt Glas in einem intensiven Grün. Uranverbindungen in Glasuren erzeugen ein breites Farbspektrum. Beliebt waren diese Glasuren vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, heute spielen sie nur noch eine untergeordnete Rolle. Gesundheitliche Probleme waren meistens nicht zu erwarten, da die Strahlenbelastung durch diese Gegenstände gering ist und die Zerfallsprodukte von Uran im Glas oder in der Glasur eingeschlossen bleiben.

Uranglas, UV-Licht, Schwarzlicht
Eine Salatschüssel mit Schälchen aus Uranglas. Unter UV-Licht beginnt Uranglas zu fluoreszieren. (Foto: Patrick Burgert)

Werbung für einen Make-up-Entferner

Ein weiteres Beispiel über den früher unbedarften Umgang mit radioaktiven Stoffen kann man in einer Werbung für Make-up-Entferner aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts sehen. In der Werbung wird die reinigende Wirkung der Creme anhand radioaktivem Staubs veranschaulicht, der einer Probandin auf die Gesichtshaut aufgetragen wird.

Heute kennt man die Gefahren genau, die eine nachlässige Anwendung radioaktiver Stoffe birgt. Deswegen geht man mit radioaktiven Stoffen fachgerecht um: Man setzt sie unter Berücksichtigung angemessener Sicherheitsvorkehrungen nur noch dort ein, wo die Vorteile mögliche Nachteile überwiegen. Mehr dazu demnächst im zweiten Teil des Artikels.


Wann und wie schmelzen Gletscher ?

17.01.2017

Das Ausmass des Abschmelzens eines Gletschers kann nicht direkt mit steigenden Temperaturen in Beziehung gesetzt werden. Es kann sich bei höheren Temperaturen bis zu einem bestimmten Grad sogar besser Gletschereis bilden als in extrem kalten Gegenden, wie wir aus dem letzten Beitrag wissen.

Gletscher wachsen und schmelzen

Für die Entwicklung eines Gletschers, d. h. ob er wächst, schmilzt oder gleich bleibt, sind nebst Hangneigung und Bodenbeschaffenheit vor allem die Niederschlagsmengen wichtig. Damit ein Gletscher entsteht und wächst, muss mehr Schnee fallen als abschmilzt, verdunstet oder vom Wind abgetragen wird. Man spricht deswegen vom Massenhaushalt eines Gletschers.

Für die positive Massenbilanz, bei welcher der Gletscher mindestens seine Grösse hält, ist vor allem die Witterung in der Abschmelzperiode wichtig. In der Regel führen kühle und niederschlagsreiche Sommer zu einem Massenzuwachs.

Ein Gletscher verliert an Masse

Gletscher schmelzen nicht nur durch äussere Einwirkung bei Sonnen- bzw. Wärmeeinstrahlung, sondern auch durch innere Kräfte, nämlich durch die Last und den Druck der Eismassen, die den Schmelzpunkt des Eises am Gletscherfuss verringern. So fliesst denn Schmelzwasser nicht nur an der Oberfläche ab, sondern auch subglazial unter dem Gletscher hindurch bis zur Gletscherzunge.

Gletscher beim Kalben
Ein Gletscher beim Kalben

Auch beim sogenannten Kalben eines Gletschers, der ins Meer mündet und bei dem Brocken abbrechen, die als Eisberge im Meer treiben, verringert sich die Masse. Besonders gefährdet sind Gletscher auf Hochplateaus, wo der Wind so viel Schnee wegfegt und sich nur schlecht Schnee ansammeln kann aus dem Gletschereis entstehen würde.
Wenn durch diese Verluste die Massenbilanz dauerhaft negativ ist, kann von einer Gletscherschmelze, bzw. Abschmelzen eines Gletschers gesprochen werden.

Gletscherschmelze durch Russ und Staub

Gletscher reflektieren normalerweise fast 90 % des Sonnenlichts. Verschmutzte Gletscher hingegen absorbieren die Sonnenstrahlung, d. h. sie nehmen Sonnenenergie auf, die in Wärme umgewandelt wird. Die Verschmutzung des Gletschereises entsteht durch Russ und Staub, also mit all dem, was Industrie oder Privathaushalte verfeuern und so fördert verunreinigtes Eis die Gletscherschmelze deutlich.

Reflektion bei verschmutzem Eis

Im Himalaya beispielsweise scheinen einige Gletscher zu wachsen, andere schmelzen dramatisch ab. So soll die Russ-Konzentration im Eis des Mount Everest im Jahr 2000 dreimal so hoch sein wie vor 1975. Die wachsenden Gletscher des Karakorums hingegen werden vom Schutt vor Sonneneinstrahlung geschützt.

Ob ein Gletscher schmilzt oder wächst, hängt also von einem sehr komplexen Zusammenspiel verschiedenster Faktoren ab: (Sommer-)Witterung, Hangneigung, Umgebungs- und Bodenbeschaffenheit, Russ, Schutt, Sonneneinstrahlung, Windstärke und Windrichtung, Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, schneeiger und nicht-schneeiger Niederschlag, Höhenlage der Schneegrenze. Alle diese Faktoren wirken auf die Massenbilanz eines Gletschers.


Wie entsteht ein Gletscher?

10.01.2017

Gletscher haben mit ihrer Kraft die Landschaften unseres Planeten mitgestaltet. Sie sind für viele Täler, Seen und Hügel verantwortlich und sind gigantische Süsswasserspeicher.

Santa Cruz-Perito Moreno Gletscher; © Mariano Cecowski, CC BY-SA 3.0
Der Perito Moreno Gletscher in Argentinien; © Mariano Cecowski, CC BY-SA 3.0

Wie Gletscher entstehen

Gletscher entstehen dann, wenn mehr Schnee fällt als verdunstet oder abtaut. Es sind keine besonders kalten Winter erforderlich, denn bei mildem Frost kann die Luft mehr Wasserdampf enthalten und daher stärkere Schneefälle als bei tieferen Temperaturen hervorbringen. Die Quantität des Schneeüberschusses ist weniger wichtig als die Qualität, sie entscheidet lediglich wie schnell sich der Gletscher entwickelt. Fallen auf den bereits vorhandenen Schnee weitere Niederschläge, werden die unteren Schneeschichten durch Metamorphose immer weiter zusammengedrückt.

Gletscher Entstehung
Entstehung von Eis

Die Metamorphose des Schnees zu Gletschereis vollzieht sich in mehreren Stadien. Beim frisch gefallenen Schnee schmelzen als erstes die Spitzen der sternförmigen Kristalle, wodurch der Schnee körnig wird. Hierbei wird die Schneemasse dichter und gleichzeitig fester. Der Druck des sich auflagernden Neuschnees trägt zur Verwandlung bei. Wenn dieser Vorgang mehrere Jahre angehalten hat, verfestigt sich dieser körnige Schnee zu Firn. Durch den Druck der darüber liegenden jüngeren Schneemassen kristallisieren sich die Firnkörner zu einem festen Gefüge von Gletschereis.  Ab einer bestimmten Mächtigkeit beginnt der Gletscher durch seine Schwerkraft zu fliessen.

Unterschiedliche Phasen der Vergletscherung

Immer wieder gab es Phasen im Laufe der Erdgeschichte, in denen das globale Klima für eine gewisse Dauer verhältnismässig kalt oder warm war. Die Eiszeiten sind im Vergleich zu den Warmzeiten kurz. Es gab, je nach Definition, etwa vier bis sieben Eiszeitalter, die das Bild der Erde prägten.

Eiszeitalter sind Zeitabschnitte der Erdgeschichte, in denen mindestens ein Pol der Erde vergletschert ist, oder wenn in der nördlichen und südlichen Hemisphäre ausgedehnte Vergletscherungen vorherrschen.

Nach der ersten Definition befindet sich die Erde seit etwa 30 Millionen Jahren im aktuellen Känozoischen Eiszeitalter, da seit dieser Zeit die Antarktis vergletschert ist. Nach der zweiten, engeren Definition begann die derzeitige, bis heute andauernde Eiszeit erst vor etwa 2’7 Millionen Jahren, als auch die Arktis vergletscherte. Sie entspräche damit annähernd dem geologischen Zeitabschnitt Quartär.

Eine gewaltige Eiszeit beherrschte die Erde vor rund 2’3 Milliarden Jahren im Paläoproterozoikum. Später, vor circa 250 Millionen Jahren im Paläozoikum, kam es wieder zu einer starken weltweiten Vergletscherung und die letzte Eiszeit des Känozoikums hält immer noch an.

Klima im Lauf der Erdgeschichte; © Wikimedia
Klima im Lauf der Erdgeschichte; © Wikimedia

Eine Eiszeit wird zwar als Kaltzeit bezeichnet, unterliegt aber dennoch klimatischen Schwankungen: Man unterscheidet kalte Perioden, die sogenannten Glaziale und warme Perioden, die Interglaziale. Die genauen Ursachen von Eiszeiten ist noch nicht geklärt. Sicher erscheint jedoch, dass dabei die Position und Entfernung der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne eine grosse Rolle spielen und die Sonnenaktivität. Als irdische Ursachen werden das Öffnen oder Schliessen von Meeresstrassen, die Bildung von Hochgebirgen und Vulkantätigkeiten angenommen.

Astronaut photo of ash cloud from Mount Cleveland, Alaska, USA; © gemeinfrei
Astronautenfoto einer Aschewolke am Mount Cleveland, Alaska, USA; © NASA, gemeinfrei

Augenschein bei den 2D-seismischen Messungen in Zürich Nordost

09.01.2017

Die radioaktiven Abfälle der Schweiz werden dereinst im geologischen Untergrund in Tiefenlagern gelagert. Dazu braucht es fundierte Kenntnisse über die Gesteinsschichten. Aktuell werden im und um das mögliche Standortgebiet Zürich Nordost die Lockergesteinsablagerungen mittels 2D-Seismik untersucht. Diese Ablagerungen können quartäre Erosionsrinnen mit einigen 100 Metern Tiefe ausfüllen. Das Quartär ist der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte, der seit ca. 2,5 Millionen Jahren bis heute andauert. Mittels 2D-Seismik erhalten die Nagra-Forscher Einblicke in den Untergrund und Hinweise zu vergangenen Erosionsprozessen.

Wir waren Mitte Dezember im Raum Andelfingen/Kleinandelfingen bei den 2D-seismischen Messungen dabei.

Der Messwagen ist die Schaltzentrale. Hier treffen alle Messdaten der Geofone ein.
Der Messwagen ist die Schaltzentrale. Hier treffen alle Messdaten der Geofone ein.

 

Im Innern des Messwagens: Über Funk wird dem Fahrer des Vibrationsfahrzeugs das OK zur nächsten Messung gegeben.
Im Innern des Messwagens: Über Funk wird dem Fahrer des Vibrationsfahrzeugs das OK zur nächsten Messung gegeben.

 

Das Vibrationsfahrzeug (links) fährt zum nächsten Punkt, an dem es leichte Schwingungen erzeugt. Die Geofone (rechts) fangen diese Schwingungen wieder auf.
Das Vibrationsfahrzeug (links) fährt zum nächsten Punkt, an dem es leichte Schwingungen erzeugt. Die Geofone (rechts) fangen diese Schwingungen wieder auf.

 

Der Erdboden wird bei der 2D-Seismik nur bis etwa 400 Meter Tiefe erkundet. Im Vergleich zur 3D-Seismik reicht somit auch ein kleineres Vibrationsfahrzeug, das schwächere Schwingungen erzeugt.
Der Erdboden wird bei der 2D-Seismik nur bis etwa 400 Meter Tiefe erkundet. Im Vergleich zur 3D-Seismik reicht somit auch ein kleineres Vibrationsfahrzeug, das schwächere Schwingungen erzeugt.

 

Der Projektleiter der 2D-Seismik, Thomas Spillmann, steht neben einer Geofonlinie. Alle 5 Meter muss ein Geofon in den Boden gesteckt werden, um Messdaten mit der gewünschten Auflösung zu erhalten.
Der Projektleiter der 2D-Seismik, Thomas Spillmann, steht neben einer Geofonlinie. Alle 5 Meter muss ein Geofon in den Boden gesteckt werden, um Messdaten mit der gewünschten Auflösung zu erhalten.

 

Mit dem Erschütterungsmessgerät kontrolliert ein Mitarbeiter des Messtrupps nahe am Gebäude, dass der Grenzwert für die erlaubte Bodenschwingung nicht überschritten wird.
Mit dem Erschütterungsmessgerät kontrolliert ein Mitarbeiter des Messtrupps nahe am Gebäude, dass der Grenzwert für die erlaubte Bodenschwingung nicht überschritten wird.

Weitere Informationen zu den 2D-seismischen Messungen

Weitere Hintergrundinformationen zu den 2D-seismischen Messungen in Zürich Nordost erhalten Sie in unserem Flyer Zürich Nordost.

Flyer zur 2D-Seismik für Quartäruntersuchungen in Zürich Nordost
Flyer zur 2D-Seismik für Quartäruntersuchungen in Zürich Nordost

Bis zur Weihnachtspause wurden in der Region Zürich Nordost acht Profillinien gemessen (vgl. Übersichtskarte unten). Die Arbeiten bei den verbleibenden fünf Profillinien wurden am 9. Januar wieder aufgenommen und sollten voraussichtlich Ende Januar 2017 abgeschlossen sein. Anschliessend wird ein ähnliches Messprogramm in der Region Nördlich Lägern (Flyer Nördlich Lägern) und im Ruckfeld (Surbtal, Flyer Jura Ost) durchgeführt.

Übersichtskarte zur 2D-Seismik für Quartäruntersuchungen in Zürich Nordost (Stand Ende 2016)
Übersichtskarte zur 2D-Seismik für Quartäruntersuchungen in Zürich Nordost (Stand Ende 2016)

Für Fragen oder andere Anliegen im Zusammenhang mit den seismischen Messungen können Sie sich an den Koordinator Hansruedi Fisch, Geologe und Experte für geologische Untersuchungen bei der Nagra, wenden. Er ist über die Gratis-Hotline 0800 437 333 und per E-Mail über seismik@nagra.ch erreichbar.

Alle Bilder: Nagra