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Machen Sie eine virtuelle Reise in die Zukunft: am Nagra-Messe-Stand oder auf Ihrem Computer!

27.10.2016

Erleben Sie eine «Zeitreise zum Tiefenlager» für radioaktive Abfälle. Wir sind an der Herbstmesse Schaffhausen, vom 26. bis 30. Oktober 2016 präsent. Auch an der Büli-Mäss sind wir am kommenden Wochenende mit einem Messestand vor Ort. Haben Sie Fragen zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle? Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben Antworten und sind offen für einen Dialog.

Die «Zeitreise zum Tiefenlager» schon zu Hause erleben?

Damit Sie sich den Film anschauen können, brauchen Sie nicht unbedingt eine Virtual-Reality-Brille wie die Oculus Rift. Ein leistungsstarker PC oder ein leistungsstarkes Smartphone reichen. Für den PC empfehlen wir die Internet-Browser Chrome, Firefox oder Opera. Mit Mausklicks können Sie den Blickwinkel im 360°-Video verändern.

Auf einem Smartphone können Sie sich den Film als 360°-Video am besten mit der YouTube App ansehen. Sie benötigen dazu eine spezielle Halterung mit Optik wie die Google Cardboard, welche aus modernen Smartphones eine Virtual-Reality-Brille macht. Viel Spass.

Das «wahre» Zeitreise-Erlebnis für alle Sinne gibt es nur auf einem unserer Spezialstühle am Nagra Stand. Also, besuchen Sie uns in den nächsten Tagen an der Schaffhauser Messe oder an der Büli-Mäss. Wir freuen uns auf Sie.


Die Demokratische Republik Kongo und ihre Reichtümer

25.10.2016

Die Topografie der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) weist Besonderheiten auf. Von einem grossen Äquatorialwald bedeckt und umgeben von einem Gebirgsrand, besteht das Land aus einer zentralen Ebene, die durch den Kongo-Fluss und seine Nebenflüsse entwässert wird. Wir  sprechen hier von einem Becken, welches auf etwa 400 m liegt. Im Südwesten des Beckens überlebten der Tumba- und Inongo-See, Überreste eines früheren inneren Meeres. Im Westen ist das Becken von sandigen Gebirgstälern eingegrenzt, die weniger als 1000 m hoch sind und deren Breite nicht mehr als 200 km beträgt, ausgenommen im Süden, wo sich das Becken bis nach Angola fortsetzt.

Satellitenaufnahme des Kongo Beckens @ NASA  Google Map der Demokratische Republik Kongo

v.l.n.r.: Satellitenaufnahme des Kongo Beckens, @ NASA; DR Kongo – Ausschnitt aus Google Map

Im Osten des Kongos, in den Provinzen Orientale, Kivu und Katanga befinden sich die ältesten geologischen Formationen.

Geologische Übersichtskarte der DR Kongo  afrikanisch-kratone

v.l.n.r.: Geologische Übersichtskarte der DR Kongo; kontinentale Schilde oder Kratone im Archaikum vor 3600-3200 Millionen Jahre

Das, was vor der Kontinentalverschiebung zu Zentralafrika zählte, bildete zusammen mit dem südlichen Afrika, Süd Amerika, Indien und Madagaskar „Gondwanaland“. Die Trennung der afrikanischen, südamerikanischen und indischen Kontinente ereignete sich während der Kreidezeit vor 135 – 65 Millionen Jahren und erreichten zum Ende des Tertiärs vor 65 – 1,6 Millionen Jahren ihre jetzige Position.

Die Rohstoffe in der DR Kongo
Die Rohstoffe in der DR Kongo

Die Zinn- und Wolfram-Vorkommen von Maniema und Nordost-Katanga gehen zurück auf das Kalahari-System, als sich Sedimente in Senken ablagerten, die durch das Aufbrechen von Gondwana nach der Kreidezeit entstanden und ungeheure Ausdehnung annahmen. Die Cu-, Co- und U-Erze von Hoch-Katanga lagern in späten präkambrischen Sedimenten. Es handelt sich um bis zu zwölf Meter dicke Erzhorizonte in Folgen von Sandstein, Konglomeraten, bituminösen Tonschiefern und Dolomiten. Man weiss, dass sich die Kupfervorkommen von Katanga auf 320 km Länge und 60 km Breite zwischen Hoch-Katanga und Sambia  im Copperbelt erstrecken. Die Diamantvorkommen von Kasai, entstanden in sogenannten Kimberliten und die Kohlevorkommen von Katanga befinden sich in Schichten, die sich zur selben Zeit bildeten, wie das Karroo im südlichen Afrika, nämlich vom Karbon (355 – 290 Millionen Jahre) bis in die Jura Zeit (205 – 140 Millionen Jahre).


«Daten, die man nicht findet, sind so gut wie nicht existent»

21.10.2016

Andreas von der Dunk arbeitet im Ressort Datenmanagement der Nagra. Täglich fliesst bei ihm eine grosse Menge an Daten und Informationen zusammen. Diese arbeitet er auf, legt sie ab und stellt sie dann, oft in überarbeiteter Form, den Nagra-Mitarbeitenden wieder zur Verfügung. Wichtigster Grundsatz dabei ist: Diese so ablegen, dass sie auch ohne seine Hilfe auffindbar sind. «Daten, die man nicht findet, sind so gut wie nicht existent», gibt Andreas zu bedenken. Tatsächlich sei das eine der schwierigsten Anforderungen bei seiner Arbeit: «Es ist relativ einfach, einen Ordner in einem Archiv zu finden, wenn man weiss, wo man danach suchen muss. Wie aber finde ich Dateien, die jemand anders benannt und abgelegt hat? Für das Datenmanagement ist dies eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre. Denn bisher kommt noch keine Suchfunktion an jene von Google heran. Und Google setzt in diesen Zeiten nun mal den Standard, den der Benutzer gewohnt ist.» Andreas arbeitet deshalb zusammen mit einer externen Firma an einer benutzerfreundlichen Suchfunktion für die geologischen und geographischen Daten der Nagra.

Andreas von der Dunk erklärt mir, wie er und seine beiden Kollegen die grosse Menge an Daten in der Nagra managen.
Andreas von der Dunk erklärt mir, wie er und seine beiden Kollegen die grosse Menge an Daten in der Nagra managen.

Hüter der Daten

Andreas studierte Wirtschaftsgeografie und Geoinformatik, doktorierte später dann an der ETH Zürich im Fachbereich «räumliche Statistik». Dabei trug er eine grosse Menge an Daten zum Thema Landnutzungskonflikte für eine Zeitspanne von zehn Jahren zusammen. Mit den Methoden des «Big Data» entwickelte er daraus ein System zur Vorhersage künftiger Landnutzungskonflikte in der Deutschschweiz.

«Ein eigenständiges Ressort sind wir erst seit zwei Jahren», erzählt Andreas, «und noch vor sechs Jahren hat Wilfried Albert den ganzen Datenstrom allein verwaltet. Jetzt erhalten wir täglich so viele Anfragen, dass es undenkbar wäre, bloss eine Person damit zu beauftragen.» Andreas kümmert sich insbesondere um Daten, welche die Erdoberfläche betreffen, sowie um den Aufbau des Web-GIS, das internetbasierte Geoinformationssystem der Nagra.

Im Datenmanagement braucht man ein dickes Fell

«Wenn wir Daten zur Ablage in Empfang nehmen oder weitergeben, stellen wir Bedingungen, welche die Leute zuerst lästig finden», sagt Andreas: «Wir wollen z.B. wissen, wer der Urheber ist oder welchen Zeitstand die Daten repräsentieren. Und bei der Datenabgabe muss die Nagra dokumentieren, welche Daten an welchen Auftragnehmer geliefert werden und für welchen Zweck. Dass praktisch alle unsere Daten digital sind, hat natürlich viele Vorteile. Ein Nachteil ist, dass sie dadurch auch schnell, manchmal zu schnell, von jedermann verschickt werden können. Und da sich nicht jeder die Zeit nehmen kann, diese Datenflüsse richtig zu dokumentieren, kommt es manchmal zu Verwirrungen, wenn nicht alle die gleichen Daten haben. Um diese Probleme müssen wir uns dann kümmern, was einiges an Frusttoleranz erfordert. Wir haben uns inzwischen aber angewöhnt, darüber zu schmunzeln und entsprechende Tipps für das nächste Mal zu geben. Steter Tropfen höhlt den Stein, sagen wir uns immer.»


Kongo – der Fluss, der alle Flüsse verschluckt,

18.10.2016

so nennen ihn die Einheimischen. Als sechstgrösster Fluss der Welt und zweitgrösster Afrikas ist er 4374 km lang und führt gewaltige Wassermassen, die sich mit bräunlicher Farbe 20 km in den Atlantik ergiessen. Zudem ist er der tiefste Fluss der Erde, an einigen Stellen bis zu 220 Meter. Er fliesst durch trockene Steppen, dichten Regenwald und vorbei an Grossstädten. Der Strom nährt ein riesiges, tropisches Urwald-Gebiet mit unglaublichem Artenreichtum. Anrainer des Stroms sind die Demokratische Republik Kongo, die Republik Kongo und Angola.

Kongo
Die Karte zeigt die Staaten, durch die der Kongo-Fluss fliesst

Die Geschichte dieser Region ist so überwältigend wie der Kongo-Fluss selbst, wenn auch unvorstellbar gewalttätig. Zwei Namen belegen die Spitzenplätze: der Afrika Forscher, Henry Morton Stanley, von der englischen Krone zum Sir erhoben, und der belgische König Leopold II.

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Der Kongo-Fluss

Dass die Auswüchse dieser Region, die bis heute andauern, immer auch mit Reichtum verknüpft sind, wird klar, wenn wir die Geologie etwas genauer anschauen.

So wird die Demokratisch Republik Kongo als das rohstoffreichste Land der Welt bezeichnet. Bis in die 1960er Jahre waren die Förderung und der Export von Bodenschätzen wie Gold, Diamanten, Kupfer und Öl das wichtigste finanzielle Standbein der kongolesischen Wirtschaft. Teile der Bevölkerung lebten damals trotz schlechter Arbeitsbedingungen unter einigermassen akzeptablen Umständen. Das grösste Bergbau-Unternehmen Gécamines sorgte für die Versorgung der Arbeiter. So baute die Firma ganze Städte mit Schulen, Krankenhäusern, Strassen und Stromversorgung. Als der Diktator Mobutu Sese Seko, 1965 bis 1997, die Bergbauunternehmen verstaatlichte, hörte er auf weiter in die Minen zu investieren und steckte die Gewinne selbst ein. Bis heute führen die Rohstoffe zu grossen Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen, Rebellenführern, Staat, Militär, westlichen Unternehmen und den angrenzenden Staaten. Wirtschaftliche Interessen werden zu Triebfedern oder Auslösern für bewaffnete Konflikte. Ertragreiche Gebiete werden erbittert umkämpft. Wer das Gebiet hat, hat die Macht über die Rohstoffe – und damit den Gewinn.

Coltan, Gold, Diamanten, Kobalt, Kupfer, Germanium, Uran

sind einige der wichtigsten Rohstoffe des Landes.

 

Coltan, ein sehr seltenes Erz, ist das eigentlich „Gold“ des Landes. Aus dem Erz wird das seltene Metall Tantal gewonnen, ohne das die heutige industrielle Welt nicht modern wäre.

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Coltan ist ein Tantalerz. Der Name „Coltan“ leitet sich von der Mineralgruppe Columbit-Tantalit ab. © Creative Commons

Eine Alternative zu Tantal gibt es nicht. Weil es doppelt so dicht, haltbar und biegsam wie Stahl ist und erst bei 3000 Grad schmilzt, wird es dem Stahl zugegeben, etwa beim Bau von Kernkraftwerken oder Raketen. Der grössere Markt aber sind kleine, leistungsfähige Kondensatoren für Elektrogeräte. Zwar sind nur etwa 0,04 Prozent des Handy-Gewichts Tantal-Kondensatoren und trotzdem ist das Metall wichtiger Bestandteil. Etwa 2000 Tonnen Coltan werden weltweit jedes Jahr gefördert und mehr als die Hälfte des Erzes kommt aus Afrika. Weitere Minen liegen in Australien, Asien und Brasilien. Aus 2000 Tonnen entstehen mehrere Milliarden Kondensatoren für die IT-Industrie.


3D-Seismik in Nördlich Lägern: Impressionen der Vorbereitungen

14.10.2016

Die Vorbereitungen für die 3D-seismischen Messungen im Standortgebiet Nördlich Lägern laufen. Im Gebiet sind Mitarbeitende der Firma DMT wie Vermesser und Bohrteams unterwegs. Nach Information der betroffenen Grundeigentümer kennzeichnen und kartieren die Vermesser Punkte im Gelände, an denen Geofone in den Boden gesteckt oder mit Vibrationsfahrzeugen schwache Vibrationen ausgelöst werden. Auf freiem Feld oder im Wald werden die Signale zum Teil auch durch kleine Sprengladungen erzeugt. Bohrteams erstellen die Bochlöcher, welche die kleinen Sprengladungen aufnehmen.

Beschriftete Holzpflöcke dienen zur Markierung von Schusspunkten und Geofonpunkten.
Beschriftete Holzpflöcke dienen zur Markierung von Schusspunkten und Geofonpunkten.
Der Vermesser läuft die Punkte ab, die auf der Karte in seinem Display angezeigt werden.
Der Vermesser läuft die Punkte ab, die auf der Karte in seinem Display angezeigt werden.
Von jedem dieser Punkte bestimmt er mittels GPS die exakte Position und markiert die Stelle mit einem Holzpflock.
Von jedem dieser Punkte bestimmt er mittels GPS die exakte Position und markiert die Stelle mit einem Holzpflock.
Auf dem Feld werden die Bohrlöcher für die kleinen Sprengladungen mit einem Bohrgerät erstellt, das auf einem Traktor montiert ist.
Auf dem Feld werden die Bohrlöcher für die kleinen Sprengladungen mit einem Bohrgerät erstellt, das auf einem Traktor montiert ist.
Im Wald und an schwer zugänglichen Stellen erstellen die Bohrteams die Bohrlöcher mit einem Handbohrgerät.
Im Wald und an schwer zugänglichen Stellen erstellen die Bohrteams die Bohrlöcher mit einem Handbohrgerät.

Ein Ausflug auf einen der nördlichsten Ausläufer der Alpen

11.10.2016

Wo müssen wir den nördlichsten Ausläufer der Alpen suchen? Die rote Zahnradbahn verrät es! Es ist der Luzerner Hausberg, der Pilatus.

Pilatus
Pilatus, © Pilatus-Bahnen

Kein Berg des nördlichen Voralpenbogens steht so markant da wie der Pilatus am Vierwaldstättersee. «Gebrochener Berg» (fractus mons) nannte man früher den Pilatus mit seinen wild zerklüfteten Felswänden. Als Kalkschuppe steht er am geologischen Alpenrand, der sich quer durch den Vierwaldstättersee erstreckt und mit seinen Voralpenseen einige der schönsten Schweizer Landschaften bildet.

Die Gesteine des Pilatus bestehen aus Sedimenten der Kreidezeit und des Paläogens. So wurden die Kalke in einem Meer gebildet, das zwischen dem Aare- und Gotthardmassiv lag. Muscheln, Austern, Ammoniten, Seeigel-Trümmer und Meerschnecken, die man heute versteinert im Fels findet, geben darüber Auskunft, wann, wo und wie die Schichten des Berges entstanden sind.
Die Wölbungen und Mulden der Gesteinsschichten sind Indizien für eine Schiebung, die den einstigen Meeresgrund zu mächtigen Falten auftürmte und die man als Decken bezeichnet.

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An der Ostflanke Richtung Luzern zeigt der Pilatus in seinem Profil fünf Falten die alle gegen Norden neigen.

So ist denn die ganze Alpenkette vom Säntis bis zum Thunersee über das Aaremassiv ins Molassemeeer geschoben worden und deckt einen Teil der Schweiz zu. Das Pilatusmassiv gehört mit seinen Ausläufern (Bürgenstock, Rigihochfluhkette) zur helvetischen Randkette und bildet den Stirnbereich der Drusberg-Decke, einer Teildecke des helvetischen Deckensystems.

Wie die Geologie so ist auch die Geschichte spektakulär, wie wir aus einem früheren Blog –  Der weltberühmte Drachenstein von Luzern – wissen. Hier soll im Mittelalter ein heilbringender Drache und etliche Geister gehaust haben. Und im ehemaligen Pilatus-See lungert gar die rastlose Seele des römischen Feldherrn Pontius Pilatus!

Für die Herbstwanderer:
>> Wanderroute auf den Pilatus
>> Gipfeltour Pilatus

 


Ansprechpersonen für die Regionen: Fabrice Bachmann und Olivier Moser

05.10.2016

Die Nagra begleitet die Suche nach Standorten für geologische Tiefenlager mit Ansprechpersonen für die Regionen. Diese informieren Kantons- und Gemeindebehörden, die Regionalkonferenzen sowie die Bevölkerung über geplante Arbeiten und sind für deren Anliegen da. Seit einem halben Jahr arbeiten Fabrice Bachmann und Olivier Moser in dieser Funktion bei der Nagra. Wir wollten wissen, wie ihre Arbeit aussieht und welche Motivation sie haben.
Fabrice Bachmann und Olivier Moser sind mit Philip Birkhäuser, ihrem Vorgesetzten im Ressort «Zusammenarbeit», die Ansprechpersonen für Anliegen aus den möglichen Standortgebieten eines geologischen Tiefenlagers. Philip Birkhäuser ist für Zürich Nordost, Olivier Moser für Jura Ost und Fabrice Bachmann für Nördlich Lägern zuständig. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Kontakte mit Behördenvertretern, den Regionalkonferenzen und der Bevölkerung. Beide bringen diesbezüglich Erfahrungen mit: «Bei der Axpo arbeitete ich im Rahmen von Wasserkraftprojekten mit Behörden und Umweltverbänden zusammen», sagt der Umweltwissenschaftler Fabrice Bachmann. «Als Vizeammann von Villigen kenne ich Behördenabläufe und habe mich auch mit der Entsorgung radioaktiver Abfälle befasst», äussert sich Elektroingenieur Moser, der zuvor als Gruppenleiter bei ABB tätig war.

Fabrice Bachmann: «Wir arbeiten an einem Projekt, welches auch unsere nachfolgenden Generationen betrifft. Damit ein solches Projekt Akzeptanz findet, müssen die vielfältigen Anliegen aller angehört und diskutiert werden.»
Fabrice Bachmann: «Wir arbeiten an einem Projekt, welches auch unsere nachfolgenden Generationen betrifft. Damit ein solches Projekt Akzeptanz findet, müssen die vielfältigen Anliegen aller angehört und diskutiert werden.»

Wie sieht eure Arbeit aus? «In Nördlich Lägern laufen die Vorbereitungen zu den 3D-Seismik-Messungen» erklärt Fabrice Bachmann. «Nach Vorinformation der Kantone Zürich und Aargau sowie der Gemeinden läuft nun die Information der Grundeigentümer, das sogenannte Permitting», so Bachmann. «Wir beide unterstützen das Permitter-Team und gehen rund eineinhalb Tage pro Woche von Haus zu Haus», sagt Moser. «Die meisten Grundeigentümer haben sich Zeit für unsere Anliegen genommen und die Gespräche sind konstruktiv verlaufen», fährt er fort, «das motiviert besonders.» Fabrice Bachmann ergänzt: «Auch uns ist es wichtig, den Leuten zuzuhören, uns Zeit für ihre Anliegen zu nehmen und Rückmeldungen in unsere Projekte einfliessen zu lassen.» Gerade bei einem Generationenprojekt wie der Entsorgung radioaktiver Abfälle seien gegenseitiger Respekt und Akzeptanz eine wichtige Grundlage der Zusammenarbeit.

Olivier Moser: «Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe. Ich trage gerne meinen Teil mit einer fundierten Information der Beteiligten bei.»
Olivier Moser: «Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe. Ich trage gerne meinen Teil mit einer fundierten Information der Beteiligten bei.»

Neben der Seismik haben beide noch weitere Projekte: Fabrice Bachmann unterstützt die Kommunikation zu den bevorstehenden Quartäruntersuchungen in Zürich Nordost, Jura Ost und Nördlich Lägern. Olivier Moser arbeitet bei der Suche nach geeigneten Standorten für Sondierbohrungen und der Bevölkerungsinformation zu den eben eingereichten Sondiergesuchen mit. «Wir helfen zudem beim Erstellen von Informationsmaterial mit und prüfen Nagra-Berichte und Broschüren auf Vollständigkeit und Verständlichkeit aus Sicht der Regionen,» bemerkt Bachmann. Dem fügt Olivier Moser hinzu: «Mit uns beiden kann man auch am Nagra-Stand an Gewerbeausstellungen oder während einer Führung durch die Felslabore diskutieren. Wir freuen uns auf spannende Gespräche!»


Auf der Suche nach der ≪Nadel im Heuhaufen≫

04.10.2016

Im sprichwörtlichen Sinn die Nadel im Heuhaufen gefunden haben 2006 die Berufsstrahler Franz von Arx, der Urner und Paul von Känel, der Berner Oberländer. Als der Fund gehoben wurde war auch Elio Müller, der Göttibub von Franz von Arx im Team dabei. Dem voraus gingen 20 Jahre harte Arbeit in meist unwirtlichem Gelände. So spürten sie Kluft um Kluft am Planggenstock auf. Ein weisses Quarzband im Felsen oder kleine, rötliche Fluorite auf der Oberfläche haben die Suche geleitet und wo genügend Anzeichen vorhanden waren, da wurde gegraben.

Schatzsuche am Planggenstock, © kristallkeller.ch
Schatzsuche am Planggenstock, © kristallkeller.ch

Der grösste Fund seit 400 Jahren ist heute im Naturhistorischen Museum Bern zu bewundern. Der Schatz vom Planggenstock ist eine der bedeutendsten Kristallfunde des Alpenraums. Dort liegen fast zwei Tonnen Bergkristalle von seltener Schönheit. Das Kernstück ist eine 300 Kilogramm schwere Kristallgruppe mit einem 107 Zentimeter langen zentralen Kristall.

Groesste Kristallgruppe vom Planggenstock © NMBE
Grösste Kristallgruppe vom Planggenstock mit einer 107 cm langen Spitze © NMBE

Tiefengletscher, Planggenstock, Sandbalm, Pfaffensprung, an diesen vier Orten wurden in den vergangenen 400 Jahren sensationelle Kristallfunde gemacht. Sie alle liegen im Kanton Uri. Sie liegen auf einer von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Linie im zentralen Aaregranit des Aarmassivs. Dieser Granit ist bekannt für grosse Klüfte und eine Vielfalt an Mineralien.

Die Funde der drei Kristallsucher am Planggenstock beim Göscheneralpsee sind historisch. Die drei Strahler haben seitdem rund 80 Tonnen Material aus der steilen Wand geholt. Der Stollen, der den Quarzadern und grossen Hohlräumen folgt, ist sehr ausgedehnt und dringt heute über 50 Meter tief in den Fels ein. So gross sind keine 10 Kluftsysteme in den Alpen zusammen mit der längsten Quarz-Kristallspitze von 107 cm. Solche Riesen findet man in den Alpen äusserst selten. Was die Kristalle vom Planggenstock aber definitiv zu Schätzen macht, ist die Grösse kombiniert mit der perfekten Form und einem bemerkenswerten Glanz bei absoluter Durchsichtigkeit.

Strahlerglueck am Planggenstock    Von Arx und von Känel am Planggenstock © NMBE

v.l.n.r.: Strahlerglück am Planggenstock, © rauchquarz.ch; die Strahler Franz von Arx und Paul von Känel bergen einen Riesenkristall, © NMBE