logo
nagra-blog
  | 12.07.2016

In nur 3 Stunden durch Europa nach Afrika wandern

Es sind die Iberger Klippen im Kanton Schwyz, die uns einen geologisch gerafften Einblick gewähren. Sie sind deshalb so besonders, weil dort Relikte aus ganz verschiedenen Decken und Ablagerungsräumen erhalten sind. Klippen werden sie genannt, weil sie nicht einmal mehr unter sich zusammenhängen.

Wenige Kilommeter umfasst die Wanderung von den Drei Schijen über das Mördergruebi zum Roggenstock – eine Wanderung von Klippe zu Klippe, von Europa (Helvetikum) über zwei Ozeane (Penninikum) nach Adria-Apulien (Ostalpin) – und dies alles vor der Haustür.

Roggenstock  Wanderrout-Roggenstock2

v.l.n.r.: Roggenstock; Wanderroute von einer Klippe zur nächsten, d. h. von den Drei Schijen über das Mördergruebi zum Roggenstock

Die ältesten Gesteine finden wir am Roggenstock, bei den Drei Schijen, im Mördergruebi und auf den Mythen. Sie entstanden vor 100 bis 220 Millionen Jahren. Graue Dolomite ähnlich dem Kalkstein, helle Kalke, rote Radiolarite, die Kieselgesteine der Tiefsee zusammen mit Ophiolithen und erkalteter Kissenlava sind die wichtigsten Vertreter.

In zwei vereinfacht dargestellten Schemata können wir die tektonische Entwicklung vom Meer auf den Roggenstock nachvollziehen:

Roggenstock_UrtektonikRoggenstock Deckenbildung

Die tektonische Situation am Roggenstock selbst, diese gilt auch für die anderen Klippen, und der generelle Deckenbau der Klippen ist nachfolgend dargestellt.

Tektonik des Roggenstocks   Grafik zur Veranschaulichung der Iberger Klippe

Zusammenfassend können wir festhalten: Die in der Tethys abgelagerten Gesteine wurden bei der Gebirgsbildung stark verformt. Es bilden sich einzelne Gesteinsschollen, sogenannte Decken. Die Gesteine der einzelnen Ablagerungsräume werden weiter in Decken unterteilt und sind die Decken sehr klein, redet man von Schuppen. Nachfolgend aufgelistet sind die sieben Decken, die am Roggenstock zu finden sind (I zuunterst, VII zuoberst).

Gesteinsabfolgen Roggenstock

Lassen wir den Berggeist, der auch Namensgeber für die Mineralquelle, die eine stark schwefelhaltige Quelle ist und mancherlei Gebresten heilen soll, das letzte Wort sprechen:

„Über Kater und andere Geister wird sicher nur der Berggeist Meister.
Verblühende Frauen malens Gesicht, Sie kennen leider den Berggeist nicht.
Komm schöne Frau und trinke, dann brauchst du keine Schminke.
Gesunde, die über den Berggeist spotten, sieht man als Kranke zur Quelle trotten.
Adler, Hirsch und Sihlforellen sind blutsverwantde Trinkgesellen.
Solls Dir wohl wie diesen sein, schenk ein Gläschen Berggeist ein.
Ohne Berggeist welkt die Kraft, dagegen hilft kein Gerstensaft!“

>> Geologischer Wanderweg Roggenstock

Ihre Meinung

Beachten Sie bitte unsere Kommentarrichtlinien.

Der Kommentar darf maximal 500 Zeichen beinhalten.