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Geoelektrische Untersuchungen: Einfache Messanordnung, aber gewichtige Ergebnisse

26.07.2016

Letzte Woche begleitete Jürg Grau, Präsident der Regionalkonferenz Zürich Nordost, Nagra-Projektleiter Tobias Vogt zu den geoelektrischen Messungen, die zurzeit im Gebiet Isenbuck / Berg durchgeführt werden. Es war kurz vor Mittag und über 30 ° C, als sich drei Journalisten über die Untersuchungen informierten.

Die Messungen werden durchgeführt, weil die Regionalkonferenz sie beantragt hat. «Von der Fachgruppe Oberflächenanlage wurde hinterfragt, ob Wasser aus einer späteren Oberflächenanlage für geologische Tiefenlager in strategische Grundwasservorräte fliessen könnte», erklärt Jürg Grau den Hintergrund. Das als strategisches Interessengebiet Grundwasser des Kantons Zürich ausgewiesene Gebiet liegt in räumlicher Nähe des im Rahmen der regionalen Partizipation bezeichneten Standortareals für eine mögliche Oberflächenanlage eines geologischen Tiefenlagers. Nun gilt es detailliert abzuklären, wie Fliessrichtung und Fliessgeschwindigkeit des Grundwassers in diesem Gebiet sind. «Bisher war die Datengrundlage zur detaillierten Betrachtung der Grundwassersituation noch nicht ausreichend», erklärt Hydrogeologe Tobias Vogt.

Lutz Capeller von der Firma Terratec mit einer ca. 50 cm langen Elektrode sowie Nagra-Projektleiter Tobias Vogt und Jürg Grau, Präsident der Regionalkonferenz Zürich Nordost (von links nach rechts). Bild: Nagra
Lutz Capeller von der Firma Terratec mit einer ca. 50 cm langen Elektrode sowie Nagra-Projektleiter Tobias Vogt und Jürg Grau, Präsident der Regionalkonferenz Zürich Nordost (von links nach rechts). Bild: Nagra

Gemessen wird meist im Wald und entlang von Feldwegen. «Wir messen im Gebiet 21 Linien zwischen 200 und 800 Metern Länge», sagt Vogt. Ein Messband gibt die genaue Position der Elektroden an, die alle fünf Meter in den Boden geschlagen werden. Die Elektroden sehen aus wie kräftige, etwa 50 cm lange Nägel. Sie werden mit einem Hammer 20 bis 25 cm tief in den Boden geschlagen und dann mittels Kabel und Klemme an das Messkabel angeschlossen. «Die Elektroden müssen einen guten Kontakt zum Boden haben», erklärt Vogt weiter. Denn nur dann kann man mit diesem so einfach anmutenden Arrangement den nahen Untergrund zuverlässig erkunden: «Wir sind an der Tiefe bis ca. 50 Meter interessiert und möchten sehen, in welcher Tiefe der Molassefels beginnt und wie die darauf lagernden sogenannten Lockergesteine, im Untersuchungsgebiet sind das Moränen und Schotter, aufgebaut sind.»

Gemessen wird der elektrische Widerstand. Dafür wird eine Spannung an zwei Elektroden angelegt und an anderen Elektroden der Strom gemessen. Aus dem Verhältnis von Spannung zu Strom lässt sich der elektrische Widerstand im flachen Untergrund bestimmen. Hoher elektrischer Widerstand steht im Untersuchungsgebiet für sandigen Kies und Schotter, also ein wasserdurchlässiges Lockergestein, in dem Grundwasser Dezimeter bis mehrere Meter am Tag fliessen kann. Im Gegensatz dazu deuten niedrige elektrische Widerstände im Untergrund auf Moränen oder Molassefels hin, die schlechte Wasserleiter sind und in denen das Wasser pro Tag nur Strecken bis maximal im Millimeterbereich zurücklegt. Die Messungen werden noch bis Anfang August andauern und bis Ende September, schätzt Vogt, werden die Ergebnisse vorliegen.

An einem schattigen Plätzchen am Waldrand erklärt Lutz Capeller von der ausführenden Firma Terratec das Multielektrodenmessgerät. Mit Computerprogrammen werden später die gemessenen elektrischen Widerstände in eine Tomografie umgewandelt. Das Messgerät ist äusserst robust gebaut, tragbar und schon in der halben Welt herum gekommen, sagt Capeller. «Meistens geht es bei unseren Untersuchungen um Rohstofferkundung», erklärt Cappeller. Mal um die Gewinnung von Mineralwasser, mal um den Abbau von Basalt. Oder wie jetzt um Daten für Grundwasseruntersuchungen.

Im Gebiet Isenbuck / Berg werden zurzeit geoelektrische Messungen durchgeführt. Topografische Karte: © Bundesamt für Landestopografie
Im Gebiet Isenbuck / Berg werden zurzeit geoelektrische Messungen durchgeführt. Topografische Karte: © Bundesamt für Landestopografie

Im nächsten Schritt werden im Herbst noch piezometrische Untersuchungen mit Hilfe von Grundwassermessstellen zur Klärung der Grundwassersituation durchgeführt. Die Ergebnisse beider Untersuchungen werden nach Beendigung der Auswertung an die Regionalkonferenz und den Kanton Zürich gegeben. Wie sich die gewonnenen Daten auf das weitere Verfahren auswirken, ist im Moment noch nicht relevant, «Jetzt geht es erst einmal darum, die Datengrundlage zu verbessern», erklärt Vogt.

(Titelbild: Nagra)


Die Säulen des Herakles und das Mittelmeer

26.07.2016

Als Säulen des Herakles oder Herkules bezeichnete man im Altertum den Felsen von Gibraltar im Süden von Spanien und den Berg Abyla, heute Jbel Musa bei Ceuta in Marokko. Die Phönizier, welche die Meerenge auf ihren Entdeckungsfahrten um 1100 v. Chr. erreichten, bezeichneten die beiden Vorgebirge nach ihrem Sonnengott als Säulen des Melkart. Der Name des Gottes wurde später von den Griechen durch Herakles ersetzt. Sie glaubten auch, dass diese Meerenge das Ende der Welt sei.

Strasse von Gibraltar - Gibraltar links, Abyla rechts, © NASA Weltkarte des Hekataios - Gibraltar
v.l.n.r.: Die Säulen des Herkules – Der Fels von Gibraltar links im Bild und der Berg Abyla heute Jbel Musa rechts im Bild, © NASA; das griechische Weltbild

Der Fels von Gibraltar ist ein massiver Kalkstein Monolith, deshalb ragt er so unerschrocken in den Himmel. Jbel Musa ist das afrikanische Pendant. Entstanden sind die Kalke vor 175-200 Millionen Jahren zur Jurazeit.

Der Felsen von Gibraltar ©imago
Der Felsen von Gibraltar ©imago

Vor 20 Millionen Jahren bildete der Vorläufer des Mittelmeeres, die Tethys, noch eine breite Wasserstrasse zwischen dem Indischen Ozean und dem sich öffnenden Atlantik. Die Tethys wurde in der daraufolgenden Zeit immer weiter eingeengt, bis im mittleren Miozän, vor etwa 15 Millionen Jahren, die Afrikanische Platte mit Vorderasien kollidierte. Dies führte zur Auffaltung von Kettengebirgen im Nahen Osten und beendete die Verbindung des entstehenden Mittelmeeres zum Indik. Von nun an bestand nur noch die Verbindung zum Atlantik.

Das Mittelmeer erhielt seine heutige Form erst vor 6 bis 5 Millionen Jahren am Ende des Miozäns. Während der Messinischen Salinitätskrise, ein erdgeschichtlicher Abschnitt in dem das Mittelmeer teilweise oder vollständig austrocknete, lagerten sich in den tiefsten Meeresbecken bis zu drei Kilometer mächtige Evaporite ab. Man darf davon ausgehen, dass das Mittelmeer ohne jeglichen Zufluss in einigen zehntausend Jahren verdunsten würde. Während man früher meist von einem globalen Meeresspiegelabfall ausging oder von einer seitlichen Einengung der verbliebenen Meeresstrassen durch tektonische Bewegungen, so wird seit 2003 ein Modell diskutiert, nach dem grossräumige Bewegungen im oberen Erdmantel zu einer Verschliessung der Meerespassagen zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer führten.

Mittelmeer wird vom Atlantik geflutet
Mittelmeer wird vom Atlantik her geflutet

Danach, an der Wende vom Miozän zum Pliozän, erfolgte nach neuesten Erkenntnissen zunächst eine leichte Senkung der Landbrücke zwischen Europa und Afrika, sodass für einige Jahrtausende nur geringe Wassermengen aus dem Atlantik in das ausgetrocknete Mittelmeerbecken schwappten. Nach und nach grub sich das Wasser immer tiefer in die Landbrücke, bis schliesslich durch einen 200 Kilometer langen und bis zu 11 Kilometer breiten Kanal etwa 100 Millionen Kubikmeter pro Sekunde einströmten und mit einer Geschwindigkeit von 144 Kilometer pro Stunde den Strömungskanal um 40 Zentimeter pro Tag vertieften. Das führte dazu, dass auf dem Höhepunkt dieses Vorgangs, der Wasserspiegel im Mittelmeerbecken täglich um mehr als 10 Meter anstieg, bis nach maximal zwei Jahren das Mittelmeer wieder aufgefüllt war. Seither ist diese Meerenge die einzige natürliche Verbindung zwischen Atlantik und Mittel- und Schwarzem Meer.


Die Vorbereitung der 3D-seismischen Messungen in Nördlich Lägern läuft

21.07.2016

Die Nagra hat bereits mit Vorarbeiten für die 3D-seismischen Messungen im Standortgebiet Nördlich Lägern begonnen: Sie kontaktiert derzeit alle betroffenen Gemeinden und informiert sie über die bevorstehenden Arbeiten. Dabei werden auch technische Fragen geklärt, beispielsweise wo es Ver- und Entsorgungsleitungen gibt, auf die während den Messungen Rücksicht genommen werden muss.

In Jura Ost und Zürich Nordost wurde bereits gemessen

Ende 2014 schlug die Nagra den Bundesbehörden die Standortgebiete Jura Ost und Zürich Nordost für vertiefte erdwissenschaftliche Untersuchungen in Etappe 3 des Standortwahlverfahrens vor. Im Winter 2015/2016 führte sie dann in beiden Gebieten 3D-seismische Messungen durch.

Warum wird in Nördlich Lägern gemessen?

Nach einer ersten Überprüfung der eingereichten Unterlagen zum Nagra-Vorschlag stellte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) Nachforderungen. Diese sind insbesondere relevant für die Beurteilung, ob das Standortgebiet Nördlich Lägern in Etappe 3 weiter untersucht werden soll. Um für alle Fälle gerüstet zu sein und allfällige Verzögerungen zu vermeiden, führt die Nagra deshalb in Nördlich Lägern im Winter 2016/17 eine 3D-Seismik-Kampagne durch.
Die 3D-seismischen Messungen liefern ein räumliches Abbild des Untergrunds bis in mehr als einen Kilometer Tiefe. Die Ergebnisse sind wichtig zur Klärung sicherheitstechnischer Fragen im Rahmen der Standortwahl für geologische Tiefenlager.

Permitting-Team ab Ende August unterwegs

Ab Ende August wird ein Permitting-Team der Nagra im Standortgebiet Nördlich Lägern unterwegs sein. Dieses informiert die betroffenen Grundeigentümer und Pächter persönlich über die bevorstehenden Messungen. Die Messungen starten voraussichtlich gegen Ende Oktober und sollen nach Möglichkeit im Februar 2017 abgeschlossen werden. Das Messgebiet ist mit rund 90 Quadratkilometern gleich gross wie jenes in Jura Ost.

Pünktlich zum Start der Vorarbeiten zu den 3D-seismischen Messungen im Standortgebiet Nördlich Lägern steht unser Informationsflyer zum Herunterladen bereit.

Flyer zu den 3D-seismischen Messungen der Nagra in Nördlich Lägern
Flyer zu den 3D-seismischen Messungen der Nagra in Nördlich Lägern

Schauen Sie doch ab und zu in unserem Blog vorbei. Wir informieren wieder laufend über die Arbeiten zu den seismischen Messungen.

(Bild: Nagra)


Der Flysch von Zumaia – unkonventionell und schön!

19.07.2016

Zumaia liegt an der Küste von Guipúzcoa in der spanischen Autonomen Region Baskenland. Berühmt ist es für die sensationelle Geologie. Es handelt sich hier um Flysch Formationen von ausserordentlicher Schönheit und Bedeutung. Häufig vertikal geschichtet ziehen sich die Schichten meilenweit ungestört dahin. Die Sedimentabfolgen von Kalken, kalkhaltigen Tonen, Mergeln und grobkörnigeren Sandsteinen entstanden von der Kreide bis ins Paläogen, eine Zeitspanne von bis zu 100 Millionen Jahren.

Zumaia Flysch, © Wikimedia
Flysch in Zumaia, © Wikimedia

In den Schichten finden sich Spuren bedeutender Phänomene und Kataklysmen, einschliesslich des globalen Aussterbens der Dinosaurier.

Zumaia Flysch, © Solasaga
Vertikal geschichteter Flysch, © Solasaga

Die Kreide-Paläogen oder K-P-Grenze, bis 2000 Kreide-Tertiär oder K/T-Grenze genannt, definiert den Übergang von der Kreidezeit zum Paläogen und ist der Zeitpunkt eines bedeutenden geologischen Ereignisses. Vor etwa 66 Mio. Jahren kam es zum grössten Massensterben der Erdgeschichte, was unter anderem zur Extinktion der Dinosaurier führte.

Flysch Formationen in Zumaia, Spanien
Flysch Formationen in Zumaia, Spanien

Die geologische und biologische Umwälzung setzte sich aus den verschiedensten Umweltveränderungen zusammen. Durch den Einschlag eines oder mehrerer Meteoriten, gekoppelt mit stark erhöhten vulkanischen Aktivitäten, ereignete sich ein gravierender Faunen- und Florenwechsel. Geologische Merkmale der Kreide-Paläogen Grenze sind eine Iridium-Anomalie, die auf einen grossen Meteoriteneinschlag hinweist. Dass diese Ereignisse mit dem globalen Aussterben zusammenhängen, gilt gegenwärtig als sehr wahrscheinlich.


Wussten Sie, dass Afrika ein natürliches Tiefenlager hatte?

14.07.2016

1972 wurden im zentralafrikanischen Gabun natürliche Kernreaktoren gefunden. Auf ihre Spur kamen französische Wissenschaftler. Sie stellten fest, dass in der Mine von Oklo das Verhältnis von Uran-238 zu Uran-235 im Uranerz zu gering war. Die Wissenschaftler vermuteten deshalb, dass eine Kettenreaktion stattgefunden hatte. Grund für die Annahme war: Bei einer Kernspaltung, wie in einem Reaktor, wird vor allem Uran-235 „verbrannt“ und nicht das hauptsächlich vorkommende Uran-238. Mit weiterführenden Untersuchungen wurde dies bestätigt. Die Natur hatte in Oklo ihr eigenes Kernkraftwerk betrieben.

Die Reaktionen in den Naturreaktoren von Oklo fanden vor etwa zwei Milliarden Jahren statt. Zu dieser Zeit waren bis zu 2000 Tonnen Uran vorhanden. Die Reaktoren erzeugten Temperaturen bis zu 600 °C und Drücke um 300 bis 400 Bar.

Dabei entstanden mehrere Tonnen hochaktive Abfälle. Diese Spaltprodukte sind über Jahrmillionen weiter zerfallen. Heute sind fast nur noch die Endprodukte vorhanden. Geochemische Untersuchungen zeigten, dass seit der Reaktorbildung weniger als 10 Prozent des Urans und der Spaltprodukte in das umliegende Gestein gedrungen waren.

Natürliches Tiefenlager

Die Natur hat in Oklo damit nicht nur einen natürlichen Kernreaktor, sondern auch ein «Tiefenlager für hochaktive Abfälle» geschaffen. Dabei sind die Abfälle ohne technische Sicherheitsbarrieren im Gestein eingeschlossen geblieben. Oklo zeigt uns also quasi den Endzustand eines Tiefenlagers.

Die Mine ist heute geschlossen. Die Naturreaktoren wurden teilweise mit Beton versiegelt.

Weitere Informationen im Themenheft «Spuren der Zukunft» und auf scienceblogs.de.


In nur 3 Stunden durch Europa nach Afrika wandern

12.07.2016

Es sind die Iberger Klippen im Kanton Schwyz, die uns einen geologisch gerafften Einblick gewähren. Sie sind deshalb so besonders, weil dort Relikte aus ganz verschiedenen Decken und Ablagerungsräumen erhalten sind. Klippen werden sie genannt, weil sie nicht einmal mehr unter sich zusammenhängen.

Wenige Kilommeter umfasst die Wanderung von den Drei Schijen über das Mördergruebi zum Roggenstock – eine Wanderung von Klippe zu Klippe, von Europa (Helvetikum) über zwei Ozeane (Penninikum) nach Adria-Apulien (Ostalpin) – und dies alles vor der Haustür.

Roggenstock  Wanderrout-Roggenstock2

v.l.n.r.: Roggenstock; Wanderroute von einer Klippe zur nächsten, d. h. von den Drei Schijen über das Mördergruebi zum Roggenstock

Die ältesten Gesteine finden wir am Roggenstock, bei den Drei Schijen, im Mördergruebi und auf den Mythen. Sie entstanden vor 100 bis 220 Millionen Jahren. Graue Dolomite ähnlich dem Kalkstein, helle Kalke, rote Radiolarite, die Kieselgesteine der Tiefsee zusammen mit Ophiolithen und erkalteter Kissenlava sind die wichtigsten Vertreter.

In zwei vereinfacht dargestellten Schemata können wir die tektonische Entwicklung vom Meer auf den Roggenstock nachvollziehen:

Roggenstock_UrtektonikRoggenstock Deckenbildung

Die tektonische Situation am Roggenstock selbst, diese gilt auch für die anderen Klippen, und der generelle Deckenbau der Klippen ist nachfolgend dargestellt.

Tektonik des Roggenstocks   Grafik zur Veranschaulichung der Iberger Klippe

Zusammenfassend können wir festhalten: Die in der Tethys abgelagerten Gesteine wurden bei der Gebirgsbildung stark verformt. Es bilden sich einzelne Gesteinsschollen, sogenannte Decken. Die Gesteine der einzelnen Ablagerungsräume werden weiter in Decken unterteilt und sind die Decken sehr klein, redet man von Schuppen. Nachfolgend aufgelistet sind die sieben Decken, die am Roggenstock zu finden sind (I zuunterst, VII zuoberst).

Gesteinsabfolgen Roggenstock

Lassen wir den Berggeist, der auch Namensgeber für die Mineralquelle, die eine stark schwefelhaltige Quelle ist und mancherlei Gebresten heilen soll, das letzte Wort sprechen:

„Über Kater und andere Geister wird sicher nur der Berggeist Meister.
Verblühende Frauen malens Gesicht, Sie kennen leider den Berggeist nicht.
Komm schöne Frau und trinke, dann brauchst du keine Schminke.
Gesunde, die über den Berggeist spotten, sieht man als Kranke zur Quelle trotten.
Adler, Hirsch und Sihlforellen sind blutsverwantde Trinkgesellen.
Solls Dir wohl wie diesen sein, schenk ein Gläschen Berggeist ein.
Ohne Berggeist welkt die Kraft, dagegen hilft kein Gerstensaft!“

>> Geologischer Wanderweg Roggenstock


Die Seismik numerisch und filmisch

07.07.2016

Am 25. Februar 2016 wurden die Seismik-Kampagnen in den Standortgebieten Zürich Nordost und Jura Ost abgeschlossen.

Ein paar Zahlen für die Statistiker und Interessierten

Die deutsche Firma DMT führte die Messungen im Auftrag der Nagra durch. Zirka 120 DMT-Mitarbeitende waren im Einsatz. Während der Arbeiten wurden insgesamt 923.5 Kilometer Kabel verlegt und 369’420 Geofone in die Erde gesteckt. 60 Fahrzeugen waren während der Messungen unterwegs.

In beiden Standortgebieten wurde eine Fläche von insgesamt 110.9 Quadratkilometern vermessen. Dabei wurde an 23’842 Punkten die Erde in Schwingung versetzt.

Begleitender Film

Während der Messungen wurden die Arbeiten begleitet und eine Filmcollage zusammengestellt. Diese können Sie hier ansehen.

Wir danken der DMT, dass wir die Aufnahmen machen durften. Sowie Beat Müller, der die Kampagne begleitete und diese in Bild und Ton festhielt.

(Titelbild: Nagra)


Lustige & andere Eigenschaften von Helium – wo kommt es her?

05.07.2016

Für besonders viel Erheiterung sorgt die Helium-Stimme und das Helium einatmen. Wie kommt dieser Effekt zustande und was ist Helium?

Ausschlaggebend für den Helium-Stimmeffekt ist die Schallgeschwindigkeit, die sich je nach Luftzusammensetzung verändert und eine Frequenzverschiebung verursacht. Erhöht sich die Frequenz, so wird auch die Stimme höher; man spricht von der Micky-Maus Stimme! Durch Einatmen von Helium-Gas wird die „normale“ Luftzusammensetzung verändert – die Luft wird leichter.

Helium ist ein chemisches Element der Ordnungszahl 2, zählt zu den Edelgasen und ist farblos, geruchlos, geschmacksneutral und ungiftig. Diese Harmlosigkeit betrifft allerdings nicht das Helium einatmen.

Nach Wasserstoff ist es das zweithäufigste Element im Universum. 10 Sekunden nach dem Urknall vereinigten sich durch Kernfusion Protonen und Neutronen zu ersten Atomkernen – der grösste Teil des stellaren Heliums entstand somit beim Urknall.

Auf der Erde ist Helium rar, denn es entsteht beim Alphazerfall von z. B. Uran oder Radium und ist nicht-stellaren Ursprungs. Durch Alphazerfall  entstehendes Helium sammelt sich in natürlichem Erdgas in Konzentrationen bis zu 16 Volumenprozent, weshalb Helium durch fraktionierte Destillation aus Erdgas gewonnen wird.

Entdeckung des Heliums

Der französische Astronom Jules Janssen erhielt während der Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis vom 18. August 1868 in Indien zum ersten Mal Hinweise aufgrund einer hellen, gelben Spektrallinie im Spektrum der Chromosphäre der Sonne. Kurz darauf bestätigte der Engländer Norman Lockyer (der Gründer des Wissenschaftsmagazins Nature), dass die gelbe Linie tatsächlich im Sonnenspektrum vorhanden ist, und schloss daraus, dass sie von einem unbekannten Element verursacht wird. Da die Spektrallinie nahe der Fraunhofer-Doppel-D-Linie des Metalls Natrium liegt, nannte er die Linie D3, um sie von den D1- und D2-Linien des Natriums zu unterscheiden. Zusammen mit Edward Frankland schlugen sie vor, das neue Element Helium zu nennen, was so viel wie Sonnenmetall heisst. Dass es sich dabei um kein Metall handelte, ahnte man damals noch nicht.

14 Jahre später gelang es Luigi Palmieri durch die Spektralanalyse von Vesuv-Lava erstmals das Element Helium auch auf der Erde nachzuweisen.

Helium ist ein nicht-regenerativer Roh­stoff und ein knappes Gut.

 

Einmal in der Luft, steigt es auf und verlässt aufgrund seiner geringen Masse das Gravitationsfeld der Erde. Kein Wunder breitete sich der kürzlich gemachte Fund eines unterirdischen Helium-Gasfeldes im tansanischen Grabenbruch als Sensationsmeldung über die ganze Welt.

Dieses neu entdecke He-Gasfeld gehört zu den weltweit grössten Vorkommen. Das Entscheidende: Erstmals haben Wissenschaftler die geologischen Bedingungen identifiziert, unter denen solche Heliumvorkommen entstehen.

Lavaausfluss im Ost-Afrikanischen Graben, © Craig F. Walker, Getty Images  Vulkanische Aktivität im tansanischen Grabenbruch, © Getty Images / National Geographic RF

v.l.n.r.: Lavaausfluss im Ost-Afrikanischen Graben, © Craig F. Walker, Getty Images; Vulkanische Aktivität im tansanischen Grabenbruch, © Getty Images / National Geographic RF

Anschaulich gesprochen könnten mit dem Helium-Vorrat über 100 Milliarden He-Ballone gefüllt und ein Gewicht von etwa 1,5 Milliarden Kilogramm gehoben werden.

Im frühen 20. Jahrhundert wurden grosse Mengen Helium in Erdgasfeldern der amerikanischen Great Plains gefunden. Die Vereinigten Staaten wurden die führenden Weltlieferanten; ihr weltweiter Förderanteile lag bei 75 %, Stand 2013.

Die industrielle Bedeutung von Helium ist gross. Während des Ersten Weltkrieges verwendete man Helium-Gas als Füllgas für Sperrballone, nach dem 2. Weltkrieg brauchte man flüssiges Helium als Kühlmittel für Sauerstoff-Wasserstoff-Raketentreibstoff und andere zu kühlende Gegenstände.

Zusammenfassend findet es Anwendungen in der Tieftemperaturtechnik, besonders als Kühlmittel für supraleitende Magnete, in Tiefsee-Atemgeräten, bei der Altersbestimmung von Gesteinen, als Füllgas für Luftballons, als Traggas für Luftschiffe und als Schutzgas für verschiedene industrielle Anwendungen, z. B. beim Metallschutzgasschweissen und bei der Herstellung von Silizium-Wafern und in der Medizin.