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Der berühmteste Krimi-Schauplatz der Schweiz

31.05.2016

Es handelt sich um die Reichenbachfälle im Berner Oberland bei Meiringen im Haslital. Der englische Krimiautor Sir Arthur Connan Doyle nutzte die atemberaubende Kulisse für den finalen Kampf zwischen Sherlock Holmes und seinem Gegenspieler James Moriarty und liess die beiden in der Kurzgeschichte „The Final Problem“ (1893) nach heroischem Kampf in den Abgrund stürzen.

© Unbekannt | Nachgestellter Zweikampf zwischen Sherlock Holmes und Professor Moriarty (Quelle Kaspar Willi)
© Unbekannt | Nachgestellter Zweikampf zwischen Sherlock Holmes und Professor Moriarty (Quelle Kaspar Willi)

Die Absicht des Autors, die Abenteuer des Sherlock Holmes elegant zu beenden, scheiterte am vehementen Protest seiner Leserschaft. So liess er 1903 seinen Helden in der Geschichte „The Empty House“ wieder aus den Reichenbachfällen auferstehen. Die Reichenbachfälle sind seither über die Landesgrenze hinaus bekannt und Sherlock Holmes kam zu einer Ehre, die für eine Romanfigur ziemlich aussergewöhnlich ist; er wurde 1987 Ehrenbürger der Gemeinde Meiringen. Eine Gedenktafel am Reichenbachfall sowie eine Bronzefigur und ein Museum in Meiringen erinnern an den berühmten Meisterdetektiv.

Der Rychenbach – so der altdeutsche Name – entspringt dem Rosenlauigletscher und stürzt in sieben Kaskaden zu Tal.

Der oberste Reichenbachfall, © Raphael Schmid
Der oberste Reichenbachfall, © Raphael Schmid

Die schönste und mächtigste, 120 Meter hoch und bis zu 40 Meter breit, kann bequem mit der Reichenbachfall-Bahn erreicht werden. Unweit der Bergstation bieten drei Aussichtsplattformen einen atemberaubenden Blick auf den tosenden und stiebenden Wasserfall und das Haslital.

Seinen Ausgangspunkt nimmt der Rosenlauigletscher an der Nordostflanke der Wetterhorngruppe auf einer Höhe von etwa 2800–3500 Metern. Der Rosenlauigletscher fliesst in einem etwa 600 m hohen Eisfall aus dem Wetterkessel nach Nordosten. Die Gletscherzunge befindet sich derzeit auf einer Höhe von 2000 Metern. Hier entspringt der Weissenbach, der mit Wasserfällen steil ins Tal fällt und nach der Gletscherschlucht Rosenlaui in den Reichenbach mündet. Dieser führt das Wasser über den berühmten Reichenbachfall durch das Reichenbachtal zur Aare.

Wandervorschlag Sherlock Holmes Weg, 2:45 h: Meiringen – Willigen – Zwirgi – Geissholz – Blatti – Meiringen
Wanderung Reichenbachfälle und Rosenlauischlucht, 3:15 h


«Wir sind in Forschungsfragen gut vernetzt»

30.05.2016

Die Chemikerin Veerle Cloet forscht im Felslabor Mont Terri daran, wie Zement und Ton interagieren. Zement soll als Verfüllmaterial in einem Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle dienen. Das Tongestein Opalinuston ist als natürliche Barriere für die Radionuklide vorgesehen. Auch das PSI, die Universität Bern und die EMPA untersuchen diese Wechselwirkungen.

«Das Interessante an meiner Arbeit bei der Nagra ist, dass sie viel Freiraum fürs Forschen lässt und einen direkten Praxisbezug hat», sagt Veerle Cloet. Die Chemikerin und Umweltingenieurin beschäftigt sich insbesondere mit den Wechselwirkungen zwischen Zement und Ton. Mit dem Zement soll das SMA-Tiefenlager verfestigt und verfüllt werden; das Tongestein Opalinuston ist als Wirtgestein für das Tiefenlager vorgesehen und soll als natürliche Barriere für die radioaktiven Stoffe dienen.

Veerle Cloet mit dem Bohrkern aus einem Diffusionsexperiment im Felslabor Mont Terri.
Veerle Cloet mit dem Bohrkern aus einem Diffusionsexperiment im Felslabor Mont Terri.

Im Felslabor Mont Terri läuft zu diesen Wechselwirkungen seit 10 Jahren ein Experiment, welches die Chemikerin betreut. Alle zwei Jahre werden Proben entnommen und analysiert. Vor allem interessiert sich Veerle Cloet dafür, wie sich die Zusammensetzung der Minerale im Zement und im Ton im Laufe der Zeit verändern. «Ob und wie die mineralogische Zusammensetzung des Tones sein Rückhaltevermögen für radioaktive Teilchen beeinflusst, sind wichtige Fragen, die wir beantworten möchten», führt sie aus. Der Stofftransport in einem Tiefenlager erfolge ausschliesslich durch die langsame Diffusion im Opalinuston. Noch gäbe es einige offene Fragen, wie zum Beispiel zum Gasdruckaufbau oder zum Temperatureinfluss auf die Wechselwirkungen, führt sie an. Diese Wechselwirkungen werden auch am PSI, an der Universität Bern und an der EMPA erforscht. «Wir sind in Forschungsfragen gut vernetzt», betont Veerle Cloet, die auch selbst Projekte am PSI betreut.

Sie schätzt den kollegialen wissenschaftlichen Austausch bei der Nagra: «Wir treffen unsere Entscheidungen jeweils gemeinsam auf Basis technisch-wissenschaftlicher Untersuchungen, sicherheitstechnische Aspekte stehen für uns im Vordergrund. Aber ich bin mir bewusst, dass für viele Menschen die Entsorgung radioaktiver Abfälle auch eine emotionale Sache ist und mit gesellschaftlichen oder politischen Fragen verknüpft sein kann.»


Fossiles Harz teurer als Gold!

24.05.2016

Einst kostete eine Reichsmark ein Gramm Bernstein, heute wird bis zu 60 mal mehr bezahlt. Derzeit begehren reiche Chinesen vor allem den honiggelben Bernstein als Zeichen des Glücks und Wohlstands!

Baltischer Bernstein, Ostseeküste Schonen/Südschweden, © Creative Commons Attribution 3.0, Lämpel
Baltischer Bernstein, © Creative Commons Attribution 3.0, Lämpel

Die ältesten Bernsteine sind über 300 Millionen Jahre alt. Die meisten Fundstätten, z. B. die der Ost- und Nordsee, entstanden vor 50 Millionen Jahren. Damals gab es ausgedehnte Urwälder mit Kiefern, Fichten und anderen Nadelbäumen. Diese stellten Harz her, eine klebrige, flüssige Masse zur Verschliessung von Verletzungen.

Die Bezeichnungen Succinit und Baltischer Bernstein werden oft synonym verwendet, da Succinit (lat. succus, dicke Flüssigkeit, Saft) den grössten Teil des Baltischen Bernsteins ausmacht. Die anderen fossilen Harze im Baltischen Bernstein stammen von unterschiedlichen Pflanzenarten,  so die  Bernsteinarten Gedanit, Glessit, Beckerit und Stantienit. Andere fossile Harze verschiedener botanischer Herkunft bilden Lagerstätten unterschiedlichen geologischen Alters, wie z. B. der Dominikanische-Bernstein und der Libanon-Bernstein. Von der grossen Gruppe der Copale gehören nur die fossilen Vertreter, z. B. der Madagaskar-Copal, zu den Bernsteinen.

Bernstein ist ein Polyester und damit eine Art ≪Naturplastik≫

 

Bernstein mit Trauermücke, © Creative Commons, Mirella Liszka
Bernstein mit Trauermücke, © Creative Commons, Mirella Liszka

Baumharz ist nicht nur klebrig, er duftet auch intensiv und kann zu einer tödlichen Falle für angelockte Insekten und andere kleine Tiere werden; manchmal bleiben sie darin kleben, können sich nicht mehr befreien und werden bald von einem nachfliessenden Harztropfen überdeckt. So eingeschlossen bleiben die Tiere, oder auch herabfallende Pflanzenteile, Pilze und Flechten, erhalten. Weil keine Umwandlung und kein Zerfall in den Harzeinschlüssen stattfindet, sind sie so wichtig für die Wissenschaft.

Flüsse trugen das Harz ins Meer, wo es mit den Sedimenten auf den Meeresboden fiel. Durch den Druck der sich anhäufenden Sedimentschichten wurden die Klumpen härter und dichter und so entstand Bernstein. Das Harz wurde dabei nicht durch Mineralien ersetzt, wie dies bei Versteinerungen üblich ist, denn Bernstein ist ein organisches Material und gehört chemisch gesehen zu den Polyestern.

Bernsteinfischer Ostsee, Polen, © Creative Commons, Michal Kosior
Bernsteinfischer Ostsee, Polen, © Creative Commons, Michal Kosior

Bernsteinstücke werden heute meistens an Küsten gefunden, beim Fischen mit einem Netz, beim Tauchen oder auch einfach am Strand. Das weltweit berühmteste und grösste Fundgebiet liegt an der Ost- und Nordsee.

>> Die Bernsteinstrasse 1/2 –  das magische Siegel
>> Die Bernsteinstrasse 2/2 – die dunkle Karawane


Dinosaurier in der Schweiz? Im Fricktal natürlich!

20.05.2016

Andrea Oettl, die Leiterin des Sauriermuseums, hat uns verraten, weswegen Frick im Kanton Aargau ein Paradies für Saurier- und Fossilien-Fans ist. Sie war auch schon selbst auf «Saurierjagd».

Andrea Oettl, Leiterin des Sauriermuseums Frick
Andrea Oettl, die Leiterin des Sauriermuseums Frick. Bild: Sauriermuseum Frick

Andrea, welche Fossilien aus dem Sauriermuseum gefallen Dir am besten?
Schwierige Frage – manches Fossil wird erst durch seine Geschichte spannend. Besonders stolz bin ich auf unsere Plateosaurier und den Raubdinosaurier aus der nahen Tongrube. Bei uns gibt es neben interessanten Einzelknochen und Teilskeletten auch ein einzigartiges, vollständiges Plateosaurierskelett zu bewundern, das in Originalfundlage präpariert wurde.

Woher holst Du Dir Ideen, um dem Museumspublikum immer wieder etwas Neues zu präsentieren?
Neues Ausstellungsmaterial hängt immer von den gemachten Funden ab. Aktuell zeigen wir bereits erste Knochen vom 8 Meter langen Plateosaurier, den wir letzten Sommer gefunden haben. Ideen, um eine Führung noch abwechslungsreicher machen zu können oder für einen Spezialanlass, hole ich mir beispielsweise in anderen Museen oder im Internet.

Warst Du schon selbst auf «Saurierjagd»?
Ja, wenn ich es einrichten kann, dann helfe ich gerne beim Dinosauriergraben mit. Unter den «Dinojägern» ist eine sehr gute Stimmung; jede/r ist mit Spass und Freude dabei und hofft natürlich, DIE Sensation auszugraben. Und die letzten Jahre haben gezeigt: Es sind durchaus noch weitere Sensationen zu erwarten.

Plateosaurier-Schädel mit gut erhaltenen Zähnen.
Plateosaurier-Schädel mit gut erhaltenen Zähnen (Fund 2015). Bild: Sauriermuseum Frick
Plateosaurier-Fuss mit grossen Krallen. Die Pflanzenfresser wurden bis zu 2 Tonnen schwer.
Plateosaurier-Fuss mit grossen Krallen. Die Pflanzenfresser wurden bis zu 2 Tonnen schwer. Bild: Sauriermuseum Frick

Frick, einer der weltweit bedeutendsten Saurierfundorte

2015 wurde in der Tongrube Frick u. a. ein vollständiges Skelett eines Plateosauriers gefunden. Plateosaurier gehören zu den ersten Dinosauriern weltweit und wanderten vor rund 210 Millionen Jahren durchs Fricktal. Viele von ihnen verendeten in der Tongrube Frick, einer der weltweit bedeutendsten Saurierfundorte für die Triaszeit (Zeit vor rund 250 bis 201 Millionen Jahren). Im Sauriermuseum sind neben Urzeitriesen auch weitere prächtige Versteinerungen und Mineralien aus Trias und Jura (Zeit vor rund 201 bis 145 Millionen Jahren) ausgestellt.

Weitere Informationen: Facebookseite des Sauriermuseums Frick.

Klopfplatz der Tongrube Frick. Bild: Sauriermuseum Frick
Auf dem frei zugänglichen Klopfplatz neben der Tongrube können Interessierte selbst nach Meeresfossilien wie Ammoniten und Muscheln suchen. Bild: Sauriermuseum Frick

20 Jahre Felslabor Mont Terri

17.05.2016

Das Felslabor Mont Terri feiert Geburtstag. Anlässlich seines 20-Jahr-Jubiläums beantwortet uns Olivier Leupin, Nagra-Delegierter des Felslabors, drei Fragen.

Dieses Jahr feiert das internationale Forschungsprojekt Mont Terri im Kanton Jura sein 20-jähriges Bestehen. Geführt vom Bundesamt für Landestopografie, swisstopo, bietet das Forschungsprojekt Mont Terri eine Plattform für internationale Zusammenarbeit sowie den Austausch von erworbenem Know-how unter Forschern, Technikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Das Felslabor ist daher ein wichtiger Ort für die Tiefenlagerforschung.

Olivier Leupin (Nagra) vor dem Felslabor Mont Terri
Olivier Leupin: Projektleiter und Nagra-Delegierter FMT. Foto: Nagra

Olivier Leupin ist Geochemiker und seit 2007 bei der Nagra. Er leitet Projekte im Bereich Materialverhalten und ist Nagra-Delegierter des Felslabors Mont Terri (FMT).

Olivier, was sind deine Aufgaben im FMT?
Ich habe verschiedene Aufgaben beziehungsweise Rollen im Felslabor Mont Terri. Einerseits bin ich als Projektleiter an verschiedenen Experimenten beteiligt, andererseits vertrete ich die Nagra im Mont Terri Consortium. Als Projektleiter bin ich in Fragestellungen rund um den Transport von Radionukliden im Opalinuston, der Geochemie und Mikrobiologie involviert. Als Delegierter stelle ich sicher, dass die Forschungsaktivitäten den übergeordneten Fragestellungen der Nagra entsprechen. Da die Forschungsgebiete vielschichtig und komplex sind, arbeiten wir mit unterschiedlichen Forschungsinstituten zusammen. Dies erfordert viel Koordination und Planung.

Wie viele Experimente werden derzeit im FMT durchgeführt und wie viele Nationen forschen im Felslabor?
Zurzeit laufen ungefähr 40 Experimente. Daran sind 16 Partnerorganisationen aus 8 Ländern beteiligt.

Welches Experiment fasziniert dich am meisten und weshalb?
Mich faszinieren Experimente, die dem Verständnis komplexer Prozesse dienen und zwar unabhängig von der Disziplin. Beispielsweise konnten wir Bakterien in Bohrlöchern nachweisen, die fähig sind, Wasserstoff zu «atmen». Zusammen mit einem Doktoranden der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne untersuchen wir nun, ob solche Bakterien auch in der Lage sind, Wasserstoffgas abzubauen, das durch die Korrosion von Eisenmetall entsteht.

Vielen Dank für das Interview.

Angewandte Forschung hautnah erleben

Für Schulklassen und Gruppen ab jeweils 10 Personen bietet das Besucherzentrum des Felslabors Mont Terri eine rund zweistündige Führung an. Hier kann man internationale Spitzenforschung hautnah miterleben. Anmelden können Sie sich bei Renate Spitznagel: renate.spitznagel@nagra.ch oder unter +41 56 437 12 82. Am 21. Mai 2016 findet anlässlich des 20 jährigen Jubiläums zudem ein Tag der offenen Tür im Felslabor Mont Terri statt.

(Titelbild: Maria Schmid)


Das Kuriosum der ≪Schwimmenden Inseln≫ auf dem Barchetsee

17.05.2016

Toteis und Toteissee

Toteis und Toteisseen

Ein Toteissee ist ein See, dessen Becken durch das Abschmelzen von Toteisblöcken entstand. Die Form und Grösse von Toteisseen ist von den Ausmassen des mittlerweile abgeschmolzenen Toteisblockes abhängig und so variieren diese Seen in ihrer Grösse und Ausdehnung von einigen tausend Quadratmetern bis mehrere Quadratkilometer. In jung vergletscherten Gebieten, in Moränenlandschaften, auf Sandern (Schotterebenen) oder in Urstromtälern sind Toteisseen eine weit verbreitete Erscheinung. Oft sind Toteisseen, vor allem die kleineren und flacheren, schon vollständig verlandet.

Schwimmende Inseln im Barchetsee (TG) einem ehemaligen Toteissee
Schwimmende Inseln im Barchetsee (TG) einem ehemaligen Toteissee

Die Stirnmoränen des Rhein- und Thurgletschers stauten nach der letzten Eiszeit vor etwa 15’000 bis 20’000 Jahren das Schmelzwasser beim Abfliessen nach W oder NW. Es bildeten sich Toteisseen. Der Barchetsee ist ein solcher. Heute zeigt er sich als warmer Moorsee mit schwimmenden Inseln.

Wie kam der See zu seinem Namen?

Barchet oder Barchent ist aufgerauter Stoff, wie es die einen oder anderen noch von Grossmutters Bettwäsche kennen. Hergestellt wurde er aus den Fasern von Hanfstengeln. Diese legte man zuerst ins Wasser, bis sie zu faulen begannen (Mazeration).

Hanfbündel im See © www.nvvn.ch
Hanfbündel im See © www.nvvn.ch

Damit man leichter zum Wasser kam, stach man Buchten oder Löcher (Roosse) vom Schwingrasen heraus und schob das Zeug in den See hinaus. So entstanden die heutigen schwimmenden Inseln im Barchetsee.

Schwimmende Inseln

In der Schweiz gibt es neben dem Barchetsee nur noch den Lützelsee in Hombrechtikon, der schwimmende Inseln besitzt.

Schwimmende Inseln Lützelsee, Hombrechtikon, © Paul Müller
Schwimmende Inseln, © Paul Müller
Schwimmende Inseln, © www.nvvn.ch
Schwimmende Inseln, © www.nvvn.ch

Je nach Windrichtung werden die Inseln über den See getrieben. Vor 30 Jahren konnte man sie noch betreten und als Flosse benutzen. Heute sind alle komplett mit der Sumpfschneide (Schilfpflanze aus dem Torf entsteht) überwachsen.

Einige Wandervorschläge für die kommenden schönen Tag:

>> Wanderroute Barchetsee
>> Wanderroute Lützelsee
>> Barchetsee aus der Vogelperspektive


«Mein Wunsch wäre es, ein 3D-Modell des Tiefenlagers zu erstellen.»

11.05.2016

Jens Becker ist Projektleiter für Geowissenschaften bei der Nagra. Das klingt aufs Erste ein wenig unverständlich und vor allem sehr technisch, dahinter steckt jedoch mehr als am Anfang vermutet. Im Gespräch mit ihm erfuhr ich über seine Arbeit, seinen Werdegang und wie er Geologie-Muffel zu begeistern versuchen würde.

Jens Becker erstellt geowissenschaftliche Simulationen. Das heisst auf Deutsch, er führt die Daten zusammen, die aus den Untersuchungen und Experimenten der Nagra anfallen. Diese stammen aus Bohrungen, Seismik-Messungen oder aus der Charakterisierung von Gesteinsschichten, aber auch Befunde über geologische Störzonen und die Wasserzirkulation im Boden gehören dazu.
Um den Gesamtüberblick zu erhalten, müssen alle diese Daten zu einem Modell kombiniert werden, was dann häufig über Jens läuft. Das Ergebnis dieser Arbeit sind dann digitale 3D-Modelle, die alle Ergebnisse zusammenfassen.

Informatik oder Geologie?

Zuerst fiel es ihm schwer, sich nach dem Abitur in Deutschland zwischen Informatik und Geologie zu entscheiden, «aber ich habe dann festgestellt, dass Geologen immer coole Expeditionen und tolle Reisen machen und das hat dann tatsächlich zu meiner Entscheidung geführt», gibt er schmunzelnd zu.
Später folgte dann eine Professur in Geologie und Mineralogie. Jens war dann erst in der Grundlagenforschung tätig. Er räumt ein: «Das ist zwar für Gleichgesinnte interessant, aber für den Rest der Welt nur bedingt.» Genau das ist für ihn jetzt anders, das Thema radioaktive Abfälle sei auch für die Allgemeinheit erwähnenswert.

Die Methoden seiner Arbeit wirken auf mich anfangs etwas repetitiv, Jens meint aber, dass der Beruf ihm immer genügend Abwechslung bietet. «Die Daten, Herausforderungen und Probleme sind immer wieder andere, sodass ich nie das Gefühl habe, bloss am Gleichen zu arbeiten.» Momentan entwickelt er eine Methode, Bohrkerne automatisch zu charakterisieren. Die Erfassung läuft über einen 3D-Scanner, der mit weiteren Messgeräten kombiniert ist, die Informationen zum Beispiel zur chemischen Zusammensetzung der Proben liefern. Wenn die Tiefbohrungen mal anlaufen, muss alles funktionieren und ausgetestet sein, betont er.

3D-Scanner für Bohrkerne
Der 3D-Scanner misst automatisiert und kontaktlos Oberfläche und natürliche Strahlung eines Bohrkerns sowie die im Umfeld herrschende Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck. Quelle: Fachhochschule Nordwestschweiz / Hochschule für Technik, Institut für Automation

Daten auch für Dritte nützlich

Die Nagra selbst brauchen die Daten, welche Jens und sein Team erheben, noch für sehr lange Zeit. Eine Tiefbohrung oder 3D-Seismik-Messungen werden ja auch nicht jeden Tag gemacht. Die Nagra gibt auch Daten an Drittpersonen weiter, zum Beispiel aus den Temperaturmessungen für Geothermie-Bohrungen. Neben dem Bundesamt für Landestopographie sei die Nagra wahrscheinlich eine gute Anlaufstelle für geologische Auskünfte, bemerkt Jens, denn sie könne Daten liefern, zumindest von der Nordschweiz, die sonst wahrscheinlich niemand erfasst habe.

Die Physiker hätten irgendetwas richtig gemacht, merkt er an, als ich ihn frage, ob Geologie nicht eher ein fades Themengebiet sei. «Man liest und sieht häufig Artikel über Quantenphysik oder ähnliches. Voll und ganz versteht das beim Lesen wahrscheinlich niemand, aber alle finden es interessant.» Und das hätten die Geologen leider nicht geschafft, obwohl sie viel mehr machen würden, als die Öffentlichkeit eigentlich wisse, wie er anfügt. «Ich würde Skeptiker mit ins Gelände nehmen und ihnen vor Ort alles zeigen.»

Als ich mich zum Schluss noch erkundige, welches besondere berufliche Ziel er verfolgt, sagt Jens: «Mein Wunsch wäre es, ein 3D-Modell des Tiefenlagers zu erstellen. Dieses würde ich dann gerne vor Ort, also Untertage, überprüfen.»


≪Black & White≫ Smokers – kein Whisky sondern Quellen!

10.05.2016

≪Black and White Smokers≫, ≪Weisse und Schwarze Raucher≫, sind untermeerische, hydrothermale Schlote. Das Phänomen kennen wir an Land als heisse Quellen, Fumarolen und Geysire.

Black Smokers © Wikimedia Public Domaine by NOAA   White Smokers © Wikimedia Public Domaine by NOAA

v.l.n.r.: Black- und White Smokers, © Wikimedia Public Domaine by NOAA

Quellen am Grund der Ozeane

Auf den mittelozeanischen Rücken, ein weltumspannendes System von Gebirgszügen in den Ozeanen, die als heisse Naht zwischen zwei auseinanderstrebenden Lithosphärenplatten entstehen, finden sich Thermalquellen mit Temperaturen über 400 Grad.

Hydrothermale untermeerische Schlote © Creative Commons 4.0 by DeDuijn

Hydrothermale untermeerische Schlote © Creative Commons 4.0 by DeDuijn

Solche Quellen entstehen, wenn Meerwasser hunderte von Metern in den Meeresboden eindringt, dort erhitzt wird und wieder an die Oberfläche gelangt. Dabei bilden sich am Meeresgrund aus ausgefällten Mineralen die sogenannten ≪Schwarzen oder Weissen Raucher≫, röhren- oder kegelförmige Schlote, aus denen das heisse Wasser zusammen mit einer Sedimentwolke austritt. Wenn sich nämlich das heisse Wasser mit dem kalten Tiefseewasser vermischt, scheiden sich gelöste Stoffe als feine Partikel aus, die eine Wolke bilden, so dass der Eindruck einer Rauchwolke entsteht.

Die Farbe des „Rauchs“ wird durch die unterschiedliche Wassertemperatur und der, auf dem Weg durch die Erdkruste, herausgelösten Elemente bestimmt. Sind im austretenden Wasser der „Raucher“ vor allem Sulfide und Salze von EisenManganKupfer und Zink vorhanden, entsteht die schwarze Farbe durch das Ausfällen von Eisen-II (Mangan/Kupfer/Zink)-Sulfid. Sind dagegen in grösseren Mengen Sulfate, wie Anhydrit und Gips, oder Siliziumdioxid im austretenden Wasser gelöst, entsteht der „Weisse Raucher“.

Raucher als Biotope

„Raucher“ und ihre Umgebung bilden einzigartige Biotope. Die Basis ihrer Nahrungskette sind chemolithotroph aktive Archaeen und Bakterien; Lebewesen die die Oxidation von Schwefelwasserstoff als Energiequelle nutzen, um organische Verbindungen aus anorganischen Stoffen herzustellen. So wurde bei einem 2’500 Meter tiefen „Schwarzen Raucher“ ein Grünes Schwefelbakterium entdeckt, das eine anoxygene Photosynthese mit Schwefelwasserstoff oder Schwefel als Reduktionsmittel betreibt, denn hier gelangt kein Sonnenlicht zu den Bakterien. Über die lichtempfindlichen Chlorosomen wird die Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) der heissen Lösungen des „Rauchers“ aufgefangen und als Energiequelle für die Photosynthese nutzbar gemacht.

Hypothesen zur Evolution des Lebens

Die extremen Umweltbedingungen, wie sie in der Tiefsee in der Nähe „Schwarzer Raucher“ herrschen, lassen an die Verhältnisse in der frühen Erdgeschichte denken, in denen der Ursprung des irdischen Lebens vermutet wird. Vulkanismus mit hohen Temperaturen und hohem Druck, Mangel an Licht und eine hohe Konzentrationen anorganischer Stoffe weisen deshalb der Umgebung „Schwarzer Raucher“ eine besondere Bedeutung zu. Die chemoautotroph aktiven Bakterien und Archaeen werden wegen ihres anaeroben Stoffwechsels und der Energiegewinnung ohne Nutzung von Sonnenlicht sowie ihrem Habitat, das auf der frühen Erde herrschte, als repräsentativ für die frühesten Formen des Lebens angesehen. -:)

>> Black Smoker / Clouds at Godzilla Vent / Exploring Deep Sea Vents /


Geh hinein und du kommst nie wieder heraus – Taklamakan

03.05.2016

Nach so viel Regen wollen wir einen Ausflug in eine beeindruckende Wüste der Erde unternehmen.

Die Taklamakan – unser geistiges Reiseziel – liegt in der Xinjiang Uiguren Autonomen Region von China und ist nach dem Uigurischen benannt. Häufig wird sie mit «Begib dich hinein, und du kommst nie wieder heraus» oder auch mit «grosses Pappelland» übersetzt und das hat seine Gründe, wie wir erfahren werden.

Taklamakan, © Wikimedia Commons, NASA/MODIS
Satellitenaufnahme des Tarim-Beckens mit der Taklamakan-Wüste, die zwischen der Mongolei und dem Tibetischen Hochland liegt; © Wiki Commons

Die Taklamakan grenzt westlich an die Wüste Gobi; ihre Fläche von ca. 340’000 km² ist mit über 100 m hohen Dünen bedeckt, welche durch Staub- und Sandablagerungen während der letzten Eiszeit entstanden. Wenn Wind den Sand hochweht, kann ein Hügel durchaus eine Höhe von 900 Metern erreichen. Die Taklamakan war einst fast ganz von einem See aus Gletscherschmelzwasser der umliegenden Hochgebirge bedeckt. In wenigen Metern Tiefe haben sich deshalb grosse Grundwasservorkommen gebildet.

Obwohl das Tarimbecken heute extrem lebensfeindlich ist, war dies nicht immer so. Noch zu Sven Hedin’s Zeit vor 100 Jahren gab es Gegenden in der Taklamakan mit Pappel-Urwäldern, mit Tamarisken und Ölweiden. Wenn es auch immer eine wüstenhafte Region war, so gab es damals doch noch Seen und Flüsse mit grossen Schilfbeständen, Hirsche und jede Menge Wildschweine. Die Bauern konnten in den Oasen Hirse, Weizen und Gerste ernten, man pflegte Obstgärten mit Pfirsichen, Birnen, Trauben, kultivierte Baumwolle. Der wesentliche Grund für die Austrocknung waren die seit 1949 im Tarimbecken durchgeführten zahlreichen Bewässerungsprojekte des Xinjiang Production-Construction Army Corps zur Ansiedlung von Chinesen in Xinjiang.

Es erstaunt nicht, dass in der Taklamakan einige sagenumwobene Ruinen-Städte liegen, die vor mehr als 2‘000 Jahren untergingen. Erstmals wurden diese Städte durch den Forscher Sven Hedin der europäischen Fachwelt bekannt. LoulanKaradong und Dandan Oilik (Ort der Elfenbeinhäuser) liegen auf der alten mittleren Seidenstrasse, deren Route heute völlig anders verläuft.

Für die Wissenshungrigen: >> Durch Gobi und Taklamakan

Taklamakan © Wikimedia
Taklamakan © Wikimedia

Dass der Resourcenhunger einer modernen Welt auch an einer so majestätischen Wüste nicht Halt macht belegt der Bau der Tarim-Fernstasse, für die die chinesische Regierung 1995 etwa zehn Millionen Euro pro Kilometer ausgab, denn in der Mitte der Wüste liegen grosse Erdöl- und Gasvorkommen. Mit einer Länge von 520 Kilometern gilt sie als die weltweit längste und teuerste Wüstenstrasse!