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  | 10.03.2016

Unerwartet abwechslungsreich – mein Praktikum bei der Nagra

Als Praktikant erwartet man keine fantastischen Erlebnisse am ersten Tag. Ohne grosse Erwartungen betrat ich am Montagmorgen, 22. Februar 2016, ein grosses Gebäude an der Hardstrasse in Wettingen. Mein Name ist Oliver Hösli, ich bin 19 Jahre alt und mache ein dreiwöchiges Praktikum bei der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, kurz Nagra.

Tonnenschwere Kolosse durchleuchten den Untergrund von Neuhausen

Ich rechnete damit, erst mal mit angestautem Bürokram beschäftigt zu werden. Doch weit gefehlt: Bereits nach einer halben Stunde war ich mit dem Nagra-Redaktor Patrick Burgert auf dem Weg nach Neuhausen am Rheinfall. Dort wollten wir die Arbeit der tonnenschweren Seismik-Fahrzeuge aus nächster Nähe betrachten, bevor die Messungen am nächsten Tag beendet wurden. Das Messprinzip wirkte auf mich so einfach wie beeindruckend – die erzeugten Schallwellen breiten sich im Untergrund aus und werden von den unterschiedlichen Schichten reflektiert. Diese Signale fangen die Geofone, eine Art Mini-Seismografen, auf. Eine ausgeklügelte Art und Weise, eine Karte des Untergrundes herzustellen, ohne diesen in geringster Weise zu verändern.

Durch diese Vibrationsmessungen erhofft sich die Nagra weitere Erkenntnisse zur Bestimmung eines sicheren Standorts, an dem radioaktives Material aus den Kernkraftwerken, aber auch Medizin, Industrie und Forschung gelagert werden kann – mehrere hundert Meter unter der Erde, für rund eine Million Jahre geschützt vor Wind und Wetter, sprich Erosion, sowie anderen Einflüssen.

Eindrückliche Reise in die Tiefe von St. Ursanne

Bereits zwei Tage später, erlebte ich die nächste Überraschung. Vor mir lag ein Besuch des Felslabors Mont Terri mit einer Reise etwa 300 Meter unter die Erde. Diese Forschungsstätte liegt im Juragebirge, oberhalb des kleinen Dorfs St. Ursanne. Seit 20 Jahren wird hier der sogenannte Opalinuston erforscht, ein Gestein, indem die radioaktiven Abfälle in Zukunft dauerhaft und sicher entsorgt, also «endgelagert» werden sollen. Dies nicht im Felslabor, sondern an einem Ort in der Nordschweiz. Opalinuston eignet sich dazu nachweislich gut, wie mir ein Experte erklärt: Der Ton dichtet sehr gut ab, schliesst also die Abfälle bestens ein und lässt praktisch kein Wasser durch. Ein Experiment zeigt, dass allfällige Risse im Ton sich mit der Zeit wieder selbst verschliessen. Am eindrücklichsten war für mich aber ein Versuch im Massstab 1:1, das «Full Scale Emplacement»-Experiment. Anhand von beheizten Versuchsbehältern wird der Einfluss von Wärme auf das Verfüllmaterial «Bentonit» und den darum herum liegenden Opalinuston untersucht. Die Erkenntnisse werden dann für den Bau des Endlagers verwendet.

Jens Mibus und ich im Besucherzentrum Felslabor Mont Terri Foto: Oliver Hösli
Projektleiter Jens Mibus und ich im Besucherzentrum Felslabor Mont Terri Foto: Oliver Hösli

Wissens- und Meinungsaustausch mit Schülerinnen und Schülern

Diese interessanten Fakten erfuhr ich von der Leiterin der Medienstelle, Jutta Lang, und dem Forscher Jens Mibus auf einem Rundgang durch das Felslabor. Zu Gast war eine Schülergruppe des Gymnasiums Liestal. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und wir unterhielten uns über die Entsorgung, eine politisch sowie gesellschaftlich anspruchsvolle Aufgabe. Auch für Themen dieser Art hat die Nagra vor Kurzem eine Plattform, für den Wissens- und Meinungsaustausch mit einer Pinnwand aufgeschaltet.

Der Besuch im Mont Terri war abwechslungsreich und informativ, vermittelte mir neue Erkenntnisse und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

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