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  | 10.03.2015

Die Glarner Überschiebung und das Spektakel von Elm

Bei der Kollision zwischen Afrika und Europa vor 20-30 Millionen Jahren schoben sich Gesteinspakete aus dem südlichen Teil der Alpen, entlang einer in der Landschaft scharf erkennbaren Linie, der Glarner Hauptüberschiebung, gegen Norden. Speziell dabei ist die Tatsache, dass diese Schichten Millionen Jahre älter sind als die darunter liegenden. Die Überschiebung selbst fand in einer ein bis zwei Meter dicken Kalkschicht statt, dem Lochsitenkalk und ist auch für den Laien gut erkennbar.

Ofen_und_Tschingelhörner    Hauptueberschiebung   Lochsite_Unesco_Weltnaturerbe
Tschingelhörner mit Martinsloch,      geologisches Schema                       Lochsitenkalk

Der geologische Zankapfel des 19. Jahrhunderts
Bereits 1807 erkannte Conrad Escher, dass ältere Gesteine auf jüngeren liegen, konnte sich das Phänomen aber nicht erklären. 1848 kam sein Sohn Arnold Escher zum Schluss, dass es sich dabei um eine „colossale Überschiebung“ handeln müsse. Er verwarf die Theorie jedoch wieder, da er meinte, dass ihm kein Mensch glauben würde. Deshalb beschloss er die Erscheinung als Doppelfalte zu erklären. Sein Schüler Albert Heim übernahm die Theorie und unterlegte sie mit grossartigen Zeichnungen. Sie liess sich zudem gut mit der damaligen Idee vereinbaren, dass sich die Erde seit ihrer Entstehung langsam abkühle und dadurch schrumpfe, wobei die Erdoberfläche zu Gebirgen verfaltet werde. Marcel Bertrand fand 1884 kaum Beachtung mit seiner Meinung, dass sich die Landschaft viel plausibler mit einer von Süden nach Norden gerichteten Überschiebung erklären lasse. Die Kontroverse wurde endgültig mit der Kontinentaltheorie Alfred Wegeners 1912 beigelegt.

Als spektakuläre Folge der Glarner Überschiebung bleibt das Martinsloch
Was uns auch heute immer wieder berührt ist das im Frühling sowie im Herbst auftretende Naturspektakel, wenn kurz vor dem eigentlichen Sonnenaufgang die Sonne durchs Martinsloch genau auf das Zifferblatt der Kirche von Elm scheint oder auch der Mond in bestimmten Abständen im Martinsloch zu beobachten ist. Die Sage will es aber etwas anders: dem Schafhirten Martin, der auf der Elmer Seite seine Tiere hütete soll eines Tages ein Riese begegnet sein, der seine Schafe stehlen wollte. Dieser verteidigte seine Tiere tapfer und warf dem Riesen seinen Stock nach. Anstatt in den Riesen prallte der Stock mit dem spitzigen Ende in die Felswand. Mächtiges Donnern und Grollen ertönte und Steine rollten zu Tal. Als sich die Lage wieder etwas beruhigte, war im Fels ein dreieckförmiges Loch – unser Martinsloch.

Martinsloch und Tschingelhörner

Das Martinsloch, ein 18 m hohes und 15 m breites Felsenfenster, auf ca. 2600 m  im grossen Tschingelhorn

Mein Tip für Frühaufsteher und Naturbegeisterte

Reisen Sie am 12./13. oder 14. März nach Elm. Das Ereignis findet 8:53 statt und dauert höchstens 2 Minuten und schicken Sie uns Daheimgebliebenen doch Ihr Erlebnisfoto!

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